Der Körper des Salamanders
Erzählungen

Piper Verlag, München 2001
ISBN
9783492043755
Gebunden, 172 Seiten, 15,24
EUR
Klappentext
Sie reisen in entlegene Winkel am Schwarzen Meer, spüren Pelikane auf und reden über die Freiheit. Sie begegnen sich auf Rummelplätzen wie Figuren aus einem vertrauten Märchenstück. Und im nebeldichten Oderhaff bringen sie ihr schmales Ruderbootzum Kentern, um endlich dem wahren Leben näherzukommen. - Die Helden und Heldinnen in Julia Schochs Geschichten widersetzen sich einfallsreich und unbeirrbar allen Erwartungen, sie suchen das Glück und finden dabei nicht zuletzt die eigenen Erinnerungen: Erinnerungen an einen untergegangenen Staat im Osten, an seine seltsam vertraute Ferne und seine tragikomischen Momente.
Rezensionsnotiz zu
Die Zeit, 24.01.2002
Die 1974 in der DDR geborene Schriftstellerin Julia Schoch widmet sich mit ihren Erzählungen dem Unheimlichen, berichtet Jens Jessen. Der Rezensent ist erstaunt über die Prosa der Autorin, die sich so angenehm vom sachte banalen, ironisch alltäglichen Erzählen ihrer westdeutschen Altersgenossen unterscheide. Ihre Geschichten, angesiedelt in Rumänien oder ostdeutschen Plattenbausiedlungen, kommen, schreibt Jessen, ohne Phantastik aus und führen den Leser trotzdem in die Welt des Vagen und Unwirklichen. Vielleicht, vermutet der Rezensent, wolle Schoch der Rätselpoetik der klassischen Kurzgeschichte neues Leben einhauchen, sicher suche sie, ohne rhetorisches Pathos, den "hohen Ton der hohen Literatur". Den habe sie auch gefunden, meint Jessen. Bei Schoch sei es der "gespenstische Sinuston" defekter Neonröhren in trostloser Umgebung, der manche von Schochs Figuren in abwegige abenteuerliche Geschichten führt".
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.10.2001
In den Erzählungen der im Nordosten Deutschlands geborenen Schriftstellerin Julia Schoch werden für den Rezensenten Kai Martin Wiegand alle Dimensionen des Ostens reflektiert: Der Osten als "Himmelsrichtung, Ort und Vergangenheit". Die vielen Tiermetaphern, die in Julia Schochs Erzählband die Gemütszustände der Figuren spiegeln, scheinen dem Kritiker selbst zu Gemüte geschlagen zu haben, da er die Metaphern "bockbeinig" nennt, was soviel heißt wie bewusst hermetisch angelegt. Am gelungensten findet er die Erzählungen, wenn sie sich jenseits von "Sentimentalität und Tiermystik" bewegen, dann komme die Autorin in einfachen, aber konturscharfen Worten ihrer Vergangenheit auf die Spur. Manchmal ist es eben besser nicht von "anschwellendem Bocksgesang" oder ähnlichem zu sprechen.
Rezensionsnotiz zu
Die Tageszeitung, 10.10.2001
Ziemlich fasziniert ist Antje Ravic Strubel von den Geschichten, die Julia Schoch in ihrem Debüt "Der Körper des Salamanders" zu erzählen hat. Ihre Protagonisten seien sorgfältig inszeniert, "sind immer Ergebnisse einer exakten Berechnung aus Beobachtung und dem Willen zur Form, die einen Gedanken möglichst hautnah umschließen soll". Die sorgfältige Umsetzung ästhetischer Prinzipien sind Schoch sehr wichtig, konstatiert die Rezensentin und bemerkt, dass sich die Denkweise der Autorin zwischen "den Polen Heiner Müller und Peter Handke" bewegt. Große Worte findet die Rezensentin für diesen Debütband.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.2001
Rezensent Richard Kämmerlings ist hingerissen, wie virtuos sich diese Autorin auf dem "Spielgerüst der Fiktion" bewegen kann. Ihre Erzählungen schillerten in paradoxer Schwebe zwischen der Rettung einer Vergangenheit und einer Gegenwart, die diese Vergangenheit verdammen oder sogar verschweigen würde. Als Hintergrund der Erzählungen wird die Erfahrung der 1974 geborenen Autorin beschrieben, den Übergang ins Erwachsenenalter nicht als Reifeprozess, sondern als Wende erlebt zu haben. So ließ sich Vergangenheit nicht in einer historischen oder biografischen Kontinuität aufheben. Anhand einiger Erzählungen, von denen manche einen tödlichen Ausgang haben, deutet er an, wie das gemeint ist. Besonders fasziniert war der Rezensent von der "großartigen" Titelerzählung.
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