Wer über der Rache die Gerechtigkeit aus dem Blick verliert, wer den einzelnen Menschen nicht mehr sieht, verspielt unsere Zukunft. Jürgen Todenhöfers Buch ist die politische Analyse verfehlter, gefährlicher Strategien in einer Schlacht der Lügen. Ein menschliches Dokument. Und ein leidenschaftliches Plädoyer gegen sinnlose Kriege. Der Autor war selbst etliche Male vor Ort und hat über Jahrzehnte lang den Menschen in Afghanistan geholfen. Er hat viele Geschichten voller Hoffnungslosigkeit gehört und klärt jetzt die Welt darüber auf, was er gesehen hat.
Der Rezensent Manfred Vasold empfiehlt uneingeschränkt Jürgen Todenhöfers Buch gegen den Irakkrieg: Es sei "ein mitfühlendes Buch mit gescheiten Argumenten". Todenhöfer kenne durch persönliche Erfahrungen den Mittleren Osten, "liebe" andererseits aber auch die USA. Gerade dieser vermeintliche Widerspruch macht das Buch für den Rezensenten besonders ausgewogen. Darüber hinaus beleuchte der Autor den Irakkonflikt aus verschiedenen Perspektiven: "humanitär, juristisch und realpolitisch". Er widerlege mit überzeugenden Argumenten zahlreiche amerikanische Rechtfertigungen für den Krieg, meint der Rezensent. So gebe es laut Todenhöfer "keinerlei verlässliche Erkenntnisse" über Verbindungen zwischen al-Qaida und Saddam Hussein, und der entscheidende Faktor für den Krieg sei "die langfristige Sorge ums Öl". Auch in seinen Prognosen bescheinigt Vasold Todenhöfers Werk Hellsichtigkeit und resümiert: "Wer sich um das Wohlergehen der Menschheit sorgt, sollte es lesen."
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 18.02.2003
Voller Lob ist Hans-Dietrich Genscher für das Buch von Jürgen Todenhöfer. Er prophezeit, dass ihm "große Beachtung zuteil werden" wird. Durch die Konzentration auf menschliche Schicksale und zugespitzte Thesen habe Todenhöfer ein "erstaunliches" Bekenntnis abgegeben. Genscher stellt fest, dass sich Todenhöfer nicht scheut, in die Diskussion über den Irakkrieg moralphilosophisch einzugreifen: "Wo findet man sonst schon bei der Abwägung des Pro und Kontra einen Satz wie diesen: 'Gegen einen Präventivkrieg gegen den Irak spricht auch die zu erwartende hohe Zahl ziviler Opfer.'" Zugleich fordere Todenhöfer, das Schicksal der Menschen zum Maßstab allen politischen Handelns zu machen. Diese Forderung ist um so überzeugender, so der Rezensent, als Todenhöfer ein Freund Amerikas sei und sich selbst nicht als Pazifist bezeichnen würde. Deswegen bleibe der Autor nicht auf der Ebene der ethischen Argumentation, sondern setze sich kenntnisreich mit den Argumenten der realistischen Machtpolitiker auseinander. Die daraus resultierenden Thesen und Forderungen bewertet Genscher als eindeutig zutreffend bis provokant. Doch auch diese vorsichtige Kritik relativiert er mit dem Hinweis, "dass es Situationen gibt, in denen der Freund gegenüber dem Freund kritischer und härter auftritt" als üblich. Das Buch wird polarisieren, aber man sollte nicht den Fehler machen, es nicht ernst zu nehmen, warnt unser Ex-Außenminister.
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