Im Frühjahr des Jahres 1768 verschlägt es den zwölfjährigen Nicholas Young eher zufällig auf ein auslaufendes Schiff. Es ist die Endeavour, der Kapitän heißt James Cook, und an Bord ist eine Gruppe von Forschungsreisenden, die einen geheimen Auftrag haben: Sie sollen einen neuen Kontinent entdecken, terra incognita, das sagenumwobene Südland. Drei Jahre wird die Reise um die Welt dauern, und Young Nick wird dabei nicht nur das raue Leben der Seeleute und die paradiesische Insel Tahiti kennen lernen, sondern auch sich selbst. Er muss sich der Schikanen der Mannschaft erwehren und wird in die Verschwörung der Männer hineingezogen, die das Schiff vor Tahiti in Brand setzen wollen, um nicht nach England zurückzumüssen. Im Juli 1771 kehrt Young Nick in die Heimat zurück. Einen "Nicholas Young" hat es wirklich gegeben. Im Musterbuch der Endeavour ist er als "Cabinboy, age 12" erwähnt. Jürgen Seidel hat ihn zum Leben erweckt - in einem Roman, der beweist, dass die Abenteurer- und Seefahrer-Geschichten noch lange nicht zu Ende erzählt sind.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 15.03.2000
In einer Sammelrezension bespricht Simone Leinkauf die folgenden drei Abenteuerbücher:
1) Jürgen Seidel: "Young Nick und die Verschwörung auf der Endeavour"
Vor zehn Jahren veröffentlichte der Autor schon ein Buch über "die erste Weltumseglung des James Cook", - jetzt geht es um dieselbe Fahrt nocheinmal, aber diesmal aus der Sicht des Schiffsjungen Nick. Von den vielfältigen Bedrohungen durch die Brutalität der Schiffmannschaft zu lesen, so die Rezensentin, scheint ihr manchmal für die vom Verlag vorgeschlagene Altersklasse ab 12 "nicht unbedingt geeignet". Aber sie lobt die im Buch "konsequent beibehaltene" Erzählperspektive des Jungen, der während dieser Reise "zu einem jungen Mann heranwächst".
2) Christa-Maria Zimmermann: "Gefangene im Packeis"
Um die Südpolexpedition der legendären "Endurance" und wiederum die Perspektive eines Jugendlichen auf das Geschehen geht es in diesem von den historischen Fakten inspirierten Roman. Der Akzent liegt hier mehr auf der Bedrohung aller von außen, und damit auch auf Bewältigung und Solidarität. Aber, so merkt Leinkauf an, die Mannschaft einer Arktis-Expedition bestand eben auch nicht aus wüsten Abenteurern, sondern zumeist aus ausgewählten Forscher.
3) Jürgen Bruhn: "Störtebecker"
Der ehemalige Spiegel-Mitarbeiter hat einen "distanzierten" aber dennoch "spannend" zu lesenden "Abenteuerbericht" über den Seeräuber und seine Vitalienbrüder geschrieben, findet die Rezensentin. Sehr gründlich recherchiert ist da alles, nicht zuletzt die Rolle der "Pfeffersäcke" der Hanse, die Störtebecker zunächst für sich einspannten und ihn dann gnadenlos jagten. Auch den sozialkritischen Ideen der Vitalienbrüder wird viel Platz eingeräumt, so dass dies insgesamt nicht nur ein Roman über die legendären Freibeuter geworden ist, sondern auch einer "über die Hoffnung auf ein anderes Leben".
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