Ausgewählt und herausgegeben von Gunilla Budde, Christoph Conrad, Oliver Janz, Ralph Jessen und Thomas Welskopp. Aus Anlass seines 60. Geburtstages hält dieser Band Jürgen Kockas Interventionen in wichtige historisch-politische Debatten der Bundesrepublik, sein Wirken als "public historian" fest. Die Auswahl seiner Beiträge für die Tages- und Wochenpresse zeigt, dass hier ein Historiker den aufklärerischen Anspruch der Geschichtswissenschaft ernst nimmt und in öffentlichen Stellungnahmen umsetzt.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.09.2001
Urs Hafner bespricht in einer Doppelrezension zwei Neuerscheinungen mit publizistischen Äußerungen zweier bekannter deutscher Historiker. Es handelt sich dabei um den Band " Das Verschwinden der Gegenwart" des Althitoriskers Christian Meier und um die "Interventionen" des Sozialgeschichtlers Jürgen Kocka. Beide zählt Hafner zur seltenen Spezies deutscher Akademiker, die sich zur öffentlichen Debatte herablassen. Christian Meier: "Das Verschwinden der Gegenwart" Meier äußert sich nach Hafner genau wie Kocka zu vielen drängenden Debatten der letzten Jahre - das heißt zur Vergangenheitsbewältigung genauso wie zum deutschen Nationalstaat oder zum Wandel der Erwerbsarbeit. Hafner schildert Meier dabei als einen bürgerlichen Melancholiker, der das "Verschwinden" der Gegenwart - und damit auch aller sinnvollen Geschichtserzählung - beklage. Seltsam mutet Hafners Referat von Meiers Position zum Holocaust an - statt zur "jüdischen" Kultur der Erinnerung, so scheint es da, plädiert Meier hier eine "griechisch-christliche Überlieferung des Nicht-Erinnerns", die eine Versöhnung ermöglichen soll. Jürgen Kocka: "Interventionen" Kocka vertritt nach Hafner in vielem konträre Positionen zu Meier: Wo Meier etwa das Verschwinden des Nationalen beklage, plädierre Kocka für die "postnationalstaatlichen Ordnungsvorstellungen" der bundesrepublik vor dem Mauerfall. Und was den Holocaust angehe, wünsche sich Kocka ein "methodisch kontrolliertes Erinnern". Wie genau das aussehen soll, verschweigt Hafner, der Meier zwar nicht unbedingt mehr Sympathie, aber gewiss mehr Interesse entgegenbringt.
Shida Bazyar: Die Lücken Heimesbach im Hunsrück ist ein fiktiver Ort, an dem sich neunzig Jahre deutscher Geschichte in die Mauern und Biografien eingenistet haben. Es ist eine Gemeinde, die ihre… Anne Carson: Rot Aus dem amerikanischen Englisch von Anja Utler. Der rote Junge Geryon ist unsterblich in Herkules verliebt, der dem Jüngling nicht zu widerstehen vermag. Auf dem Höhepunkt… Juli Zeh: Pony Show Eine prominente Verlegerin unter Mordverdacht. Ein spektakulärer Schwurgerichtsprozess. Und die Frage: Wie verhandelbar ist die Wahrheit? Sie ist über fünfzig, verheiratet… Anne Carson: Der bittersüße Eros Aus dem nordamerikanischen Englisch von Christina Dongowski. Es war eine Dichterin, Sappho, die dem Eros das paradoxe Attribut "bittersüß" gab. Dies geschah in der Zeit,…