Aus dem Amerikanischen von Brigitte Flickinger. Mit ca. 53 Abbildungen. Um 1900 beginnt Sidonie-Gabrielle Colette, die 1945 als zweite Frau in die Académie Goncourt gewählt wird, ein schriftstellerisches Werk, das alles auf den Kopf stellen sollte, was man über Sexualität, über die Lust und die Geschlechter zu wissen glaubte: "Claudine" betritt als erster weiblicher Teenager die Bühne der Weltliteratur - und mit ihr die entwaffnende Schamlosigkeit, die noch Colettes spätere literarische Meisterwerke zu Provokationen machte.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.01.2002
Martin Ebel ist sehr angetan von der Biografie der Schriftstellerin, Tänzerin und skandalösen Gestalt Colette, die im Paris der Jahrhundertwende mit ihrem Werk ebenso Furore machte wie mit ihrer Lebensführung. Er lobt die amerikanische Autorin Judith Thurman dafür, bei der Lebensbeschreibung auch einen "höchst aufschlussreichen" Blick auf die gesellschaftlichen Verhältnisse der Zeit geworfen zu haben, und er findet es sehr positiv, dass sie der durchaus "zwielichtigen Gestalt" Colettes Gerechtigkeit widerfahren lässt, indem sie auch die widersprüchlichen und unangenehmen Seiten ihrer Hauptfigur erwähnt und beurteilt. Besonders preist der Rezensent Thurman dafür, sich "wohltuend" von der "begrifflichen Stacheligkeit" der Gender-Forschung abzusetzen und statt dessen "genussreich" und "süffig" zu schreiben. Dabei gelängen der Autorin selbst mitunter sehr "poetische Aufschwünge von eigenem Reiz", schwärmt Ebel hingerissen. Einzig die manchmal gar zu detailreiche Darstellung stört den Rezensenten, er findet dem Buch hätte so manche Kürzung gut getan.
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