Judith Kuckart

Lenas Liebe

Roman
DuMont Verlag, Köln 2002
ISBN 9783832159184
Gebunden, 303 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

"Wer erzählt, hat eine Frage." Judith Kuckart erzählt die anrührende Geschichte einer eigenwilligen Frau. Je tiefer man eindringt in ihre Verstrickungen, desto mehr Fragen tun sich auf, und auch die Antworten geraten in die Schwebe zwischen Wirklichkeit und Wunsch: Warum ist jedes Erkennen ein Wiedererkennen? Warum ist die Erinnerung an die Liebe stärker als die Liebe selbst? Warum passt das Leben manchmal so schlecht wie ein falsches Kleidungsstück?

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 11.05.2002

Auch in ihrem vierten Roman macht es sich Judith Kuckart nicht leicht, findet Ulrich Rüdenauer. Auch diesmal kreisen ihre ruhelosen Protagonisten um "große Themen", nämlich um die Liebe, die Sexualität, den Nationalsozialismus, Erinnerung und Gegenwart, informiert der Rezensent und warnt den Leser sodann vor schwindelerregenden Lektüreerlebnissen. Keineswegs meint er das abwertend, denn die "Irritationen" und "Windungen" in dieser "Roadnovel" von Lena, Julius Dahlmann und dem Priester Richard Franzen auf ihrer Fahrt in einem Volvo von Polen nach Berlin faszinieren Rüdenauer. Viele Fragen würden hier aufgeworfen, auf deren eindeutige Antworten der Leser vergebens warte. Allerdings stelle sich am Ende doch, tröstet der Rezensent, ein "Hoffnungsblick in die Zukunft" ein.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 20.04.2002

Beatrice von Matt ist so ergriffen von diesem Roman, dass sie aus der Nacherzählung seiner Episoden und der Vorstellung seines Personals nicht recht herauskommt. Aber es mag ja für ihn sprechen: dafür, dass er nicht nur komplex, sondern auch faszinierend ist. Die Rezensentin verliebt sich zumal in Lena, die verträumte Protagonistin, schildert eindringlich ihre bedingungslose Verliebtheit in Julius, ihre Fahrt von Polen - Auschwitz - in einem Volvo nach Berlin und das traurige Ende der Liebe. Sie bewundert, wie das Thema Auschwitz in den Roman eingeflochten wird, und noch mehr lobt sie die "elegant verstrebte Architektur" des Romans, in dem kleine Episoden, winzige Anspielungen und raumgreifende Porträts miteinander abzuwechseln scheinen. Ein "farbenkräftiges Buch", seufzt die Rezensentin am Schluss. Aber man scheint es selber lesen zu müssen, um sich ein Bild zu machen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 09.04.2002

Nicht wirklich zufrieden hat Tobis Döring Judith Kuckarts Roman "Lenas Liebe" am Ende weggelegt. Eine Reisegeschichte, wie er sagt, die zunächst in eine westdeutsche Kleinstadt und dann nach Polen, nach Oswiecim führt, das früher Auschwitz hieß. Die Erzählung ist voll von Brechungen, Rückblicken, Zeitsprüngen und "Faltungen", wie Döring es nennt, womit vielleicht die sich überlagernden Momentaufnahmen gemeint sind, die den Lesefluss teilweise bremsen oder ins Leere laufen lassen, da sie sich in der Überfülle der Motive zu keinem klaren Bild mehr fügen lassen. Dennoch stellt Döring "fraglos schöne" Rück- und Ausblicke fest, gelungene Szenen, Reiseeindrücke, die in protokollhaft notierten, knappen Sätzen festgehalten werden. Notiert würden ebenso Träume, Reflexionen, Gesehenes und nur Gedachtes, alles kunstfertig ineinander übergehend, meint der Rezensent und bedauert, dass manchmal mehr die Kunstfertigkeit der Autorin als das Eigenleben der Figuren in den Vordergrund träte.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 21.03.2002

Eine Fahrgemeinschaft aus einem alten Beamten, einem Priester und einer Schauspielerin Ende 30 fährt von Auschwitz nach Berlin - das ist der Rahmen des Romans. Viele Fragen stellen sich da, auch der Roman stellt sie, seine Stärke ist es, meint jedenfalls Rezensent Reinhard Baumgart, sie "letztlich offen" zu lassen. Im Zentrum der Fahrgemeinschaft wie des Buches steht wohl Lena, die Schauspielerin, um deren "dunkle, rätselhafte Liebe" die Geschichte herum erzählt wird. Erbaulich ist das nicht, im Gegenteil. "Düster" nennt der Rezensent die Grundstimmung des Romans, den er als "bewegend und verstörend" lobt. Menschen erscheinen bei Kuckart als, so Baumgart, "Monaden", Glück gibt's nur im Augenblick - und eine der großen Stärken des Buches sei es, "dass auch die Autorin nicht mehr weiß als wir."
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