Judith Butler

Psyche der Macht

Das Subjekt der Unterwerfung
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2001
ISBN 9783518117446
Taschenbuch, 197 Seiten, 10,17 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Reiner Ansén. Das Entstehen von Bewußtsein und Subjektivität ist nicht unabhängig zu denken von gesellschaftlichen Machtstrukturen. Denn, so Judith Butler, Subjekt zu werden (subjection) heißt auch, sich diesen zu unterwerfen. Identität, auch die geschlechtliche, beruht mithin auf der Verortung im Kraftfeld gesellschaftlicher Implikationen. Butler spürt diesem paradoxalen Zusammenhang zwischen dem Gesellschaftlichen und dem Psychischen nach, indem sie die Bewußtseinstheorien von Hegel, Nietzsche, Freud, Althusser und vor allem Foucault in einen - von ihren Verfechtern bislang vermiedenen - Dialog versetzt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 20.10.2001

Die von der Autorin aufgezeigten "Auswege aus der Melancholie" scheint unser Rezensent nicht für Holzwege zu halten. Butlers Gender-Forschung, schreibt Nils Roller in seiner Besprechung, erweise sich erneut als eine Methode, Relationen statt Substanzen zu denken. Was Roller indessen meint, wenn er warnt, solches Denken wolle geübt sein, lässt sich erahnen, folgt man seiner Lektüreimpression: Demnach erkennt Butler in einem Kapitel die Melancholie als "Produkt einer heterosexuellen Züchtung," in der Identität durch Absage entsteht, um ihr sodann ein "Potential an Auflehnung" zuzuschreiben. Dieses Potential gilt es zunächst urbar zu machen.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 04.10.2001

Zum Thema der Diskussion neuerer Subjektheorien befasst Hauke Brunkhorst sich mit den Beiträgen von Dieter Henrich, "Versuch über Kunst und Leben", und Judith Butler, "Psyche der Macht". Judith Butler denkt das Subjekt machttheoretisch mit Michel Foucault - ohne jedoch den Gedanken an die Möglichkeit von Autonomie aufzugeben. Diese Autonomie jedoch stellt sich ausschließlich im Moment der "Freiwilligkeit" der Unterwerfung her. Nur dadurch wird, so Brunkhorst, das Subjekt "ein (winziges) Stück weit zum unberechenbaren, unbeherrschbaren, widerstandsfähigen Subjekt der Macht". Zwar findet der Rezensent diese "negativ-dialektische Freiheitsbegründung" recht "faszinierend", bemängelt aber andererseits, dass die Idee der Freiheit dabei "abstrakt" bleibt. Alternativen gibt es zum einen in anderen neueren Subjekttheorien und zum anderen in der Sozialtheorie, die seit Durkheim die wechselseitige Abhängigkeit von Institution und Individuum betont. Etwas mehr von dieser Einsicht ins Soziale hätte der Rezensent Judith Butler gewünscht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.09.2001

Judith Butler untersucht in ihrem Essay in der Theorie-Nachfolge von Hegel, Althusser, Nietzsche, Freud und Foucault - so die Rezensentin Susanne Lüdemann -, wie das Subjekt in einem Doppelprozess der "Subjektwerdung" zu sich selbst kommt. Und zwar gewinnt das Individuum, nach Butler, seine Autonomie paradox gerade durch eine Unterwerfung unter ein allgemeines Gesetz. Die Psyche ist so immer schon Schauplatz der Politik. Zusätzlich trägt Butler dann eine geschlechterpolitische Struktur ein: die der (Freuds Definition folgenden) Melancholie. Das dreht sich um den Verlust des (für Heterosexuelle homosexuellen) Liebesobjekts und die folgende Leugnung der Liebe wie des Verlusts. Das klingt kompliziert und ist natürlich höchst anfechtbar, aber die Rezensentin hat kein Problem damit. Unzufrieden ist sie dagegen mit Butlers impliziter Hoffnung auf eine "Instituierung des Ich ohne Verleugnung". Davon will sie nichts wissen - da stellt man sich schon die Frage, welchen Sinn Besprechungen durch Rezensentinnen machen, die noch päpstlicher sind als die Päpstin.