Die Fundorte der Sierra de Atapuerca in Spanien bilden seit Jahr und Tag die unerschöpfliche Goldader der Paläanthropologie. Und erst kürzlich hat der Fund des vollständigen Beckenknochens eines Prä-Neandertalers in der Sima de los Huesos die Wissenschaftler dazu veranlasst, eine ganz neue Evolutionstheorie aufzustellen. Der Neandertaler, so Juan Luis Arsuaga, Ko-Leiter der Ausgrabungen, war weit größer und kräftiger als bisher angenommen und fast so intelligent wie unser Vorfahr der Cromagnon, der Homo sapiens.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2003
In ihrer insgesamt sehr positiven Besprechung lobt Manuela Lenzen, dass der Neandertaler in diesem Buch als ein "paralleles Experiment der Evolution" vorgeführt werde, das wir "uns als Spiegel vorhalten können, um uns durch die Analyse der Unterschiede und Gemeinsamkeiten besser kennen zu lernen." Zwar wechsle Arsuaga bisweilen zwischen Faktenbericht und "Paläofiktion" hin und her, doch "nie ohne den Leser vorzuwarnen", vor allem aber "stets amüsant". Auch gerate die Theorie Araguas, Paläontologe an der Universität Madrids und einer der Direktoren "des bedeutenden Ausgrabungsprojektes in der Sierra de Atpuerca" in Spanien, an einigen Stellen "ein wenig ins Schwimmen". So schreibe er dem Neandertaler einerseits Bewusstsein zu, binde dies aber andererseits an die Fähigkeit des modernen Menschen, "die Welt zu vermenschlichen". Man könnte wohl auch sagen: zum metaphorischen Gebrauch der Sprache. Außerdem begebe sich Aragua auch nur "gegen Ende des Buches" wirklich auf die versprochene "Suche nach den Ursprüngen des menschlichen Bewusstseins". Das "Originelle" des Buches bestehe vordringlich darin, dass Aragua es verstehe, die "Umwelt der Frühmenschen lebendig werden zu lassen". Außerdem finde er "immer wieder neue Methoden, um das Leben der Frühmenschen zu verstehen."
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