Warum untergruben die Verteilungskämpfe das Fundament der Weimarer Demokratie, während in der späten französischen Dritten Republik die industriellen Beziehungen erst 1936 zu einem Politikum ersten Ranges wurden? Warum waren in Deutschland Sozialstaat und Demokratie unzertrennbar miteinander verbunden, während in Frankreich der Sozialstaat mehr Gegner als Befürworter hatte? Petra Weber geht diesen Fragen nach, indem sie die Reaktion der Arbeitgeberverbände und Gewerkschaften, der Arbeitnehmer und des Staates auf die Umbrüche der Kriegs- und Nachkriegszeit, die inflationäre Entwicklung, den Ausbau des Sozialstaates und die Weltwirtschaftskrise untersucht.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.03.2010
"Höchstes wissenschaftliches Niveau" verspricht Rezensent Eberhard Kolb bei dieser Arbeit der Münchner Historikerin Petra Weber, die die industriellen Beziehungen in Frankreich und Deutschland zwischen den beiden Weltkriegen miteinander vergleicht, die zu solch unterschiedlichen Entwicklungen in den beiden Ländern geführt haben . Mit industriellen Beziehungen meint sie, wie Kolb erklärt, das Verhältnis von Arbeitern, Arbeitgeber und Staat. Mehrere Unterschiede sieht der interessierte Rezensent hier herausgearbeitet: Einerseits war die deutsche Arbeiterbewegung viel organisierter als die französische, die Gewerkschaften waren mit einer Partei eng verbunden und es gab bereits Sozialversicherungen. Andererseits war die Lebensmittelversorgung in Deutschland so schlecht organisiert, dass die Massen schweren Hunger litten. Das gab es in Frankreich nicht. Auch hat hier der Sieg natürlich verhindert, dass die Arbeiterschaft die Autorität des Staates so radikal in Frage stellte, wie es die deutsche getan hat. Koln attestiert der Autorin eine imponierend souveräne Stoffbeherrschung und spricht ihr für die Arbeit seinen "uneingeschränkten Respekt" aus.
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