Joseph Breitbach

Rot gegen Rot

Die Erzählungen
Cover: Rot gegen Rot
Wallstein Verlag, Göttingen 2008
ISBN 9783835302624
Gebunden, 512 Seiten, 24,00 EUR

Klappentext

Herausgegeben von Alexandra Pletrnberg-Serban und Wolfgang Mettmann. Erstmals sämtliche Erzählungen Joseph Breitbachs in einem Band. "Du bist, mon cher ami, ein Erzähler von Gnaden", befand Golo Mann in einem Brief an Joseph Breitbach, "und hättest in Deinem Leben wohl noch mehr erzählen sollen." In Breitbachs erstem Zyklus von Erzählungen, "Rot gegen Rot" (1929), tritt uns die Welt der Angestellten, wie sie Siegfried Kracauer nur wenig später beschreiben sollte, unmittelbar vor Augen. Diese Szenen aus dem Werktag der kleinen Leute waren aus ureigenster Anschauung entstanden, hatte Breitbach doch selbst mehrere Jahre in den Buchabteilungen großer Warenhäuser in Koblenz und Augsburg gearbeitet und dort Einblicke erhalten, deren plastische Schilderung ihn schließlich seine Stellung kosten sollte: Zu lebensecht waren wohl die Porträts des Personals geraten, von den Verkäuferinnen und verführten Lehrmädchen über den kommunistischen Liftjungen bis hin zum misstrauischen Direktor und dessen intrigierenden Stellvertreter. Eifersucht, Missgunst, Neid, Scheinheiligkeit, Betrug und Anmaßung werden hier in all ihren Facetten sichtbar, und doch bleibt der Ton immer leicht, ist die humorvolle Sympathie des Autors für seine Figuren in jeder Zeile spürbar. Max Brod lobte: "Die Tatsachen sprechen oft einen Argot, der gelernt sein will. Aus diesem Buch eines jungen Erzählers ist viel zu lernen." Neben "Rot gegen Rot" (1929) enthält der Band die Erzählungen aus "Die Rabenschlacht" (1973), die Erzählung "Lärm" und das Fragment "Clemens".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.01.2009

Rezensentin Renate Wiggershaus ist beeindruckt von dieser Sammlung von Erzählungen des Autors Joseph Breitbach. Dessen außergewöhnliche literarische Laufbahn beschreibt sie in ihrer Besprechung recht detailliert, der Zeitraum der veröffentlichten Erzählungen umspannt fast 50 Jahre und spiegelt diese Laufbahn deshalb anschaulich wieder. Besonders beeindruckt ist die Rezensentin von der "Authentizität" der Erzählungen. Man merkt, dass Breitbach die Schauplätze seiner Geschichten "aus eigener Anschauung" kennt. Zudem bestechen sie durch ihre Lebendigkeit, eine "brillante Dialogführung, lebensechte, mit nur wenigen Strichen gezeichnete Charaktere" sowie eine plastische Sprache. In den Augen der Rezensentin sind die Geschichten, die ein großes soziales Bewusstsein und einen ausgeprägten moralischen Kompass demonstrieren, "kleine Meisterwerke."

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.10.2008

Der hier rezensierende Schriftsteller Martin Mosebach nimmt das Erscheinen dieses Erzählbandes zum Anlass, an den Autor und mondänen Lebemenschen Joseph Breitbach zu erinnern. Der Band selbst, erklärt Mosebach, führt in die Anfangszeit Breitbachs als Kaufhaus-Buchhändler in Koblenz zurück. Dem Rezensenten eröffnen sich Einsichten in die Gesetzmäßigkeiten eines Warenhausbetriebs in der Weimarer Republik und in die Koexistenz von kommunistischer Kultur und Kapitalismus. Dass der Autor die Welt kleiner Parteimitglieder, Verkäuferinnen und möblierter Herren nüchtern vermittelt und die "unerfreuliche" Warenhausatmosphäre nicht der Ausbeutung durch das Sytem anlastet, erscheint Mosebach eingedenk der Parteimitgliedschaft des Autors besonders erwähnenswert. Der Objektivität Breitbachs schreibt er es auch zu, wenn der Nationalsozialismus in den 1929 entstandenen Texten als Feindbild noch keine Rolle spielt.