Vögel, die sich in Wasserfälle stürzen, Ameisen, die unterirdische Pilzgärten anlegen, Jaguare, die ursprünglich in Italien und auf dem Balkan lebten, bevor sie nach Nord- und Südamerika wanderten. Kaum jemand hat so viele Tiere beobachtet - seltene und weitverbreitete - wie der große Naturforscher und bekannte Autor Josef H. Reichholf. Basierend auf der Vielfalt seiner Erfahrungen und Forschungen entwickelte er seine viel diskutierten Thesen zur Ökologie, Evolution und zum Naturschutz. Nach einem halben Jahrhundert blickt er zurück und zieht Bilanz: In der Natur gibt es keinen besten oder einzig richtigen Zustand, Stabilität bedeutet Stillstand und führt zum Niedergang. Leben ist steter Wandel, nichts bleibt so, wie es ist.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 19.04.2016
Rezensent Burkhard Müller scheut nach der Lektüre von Josef H. Reichholfs "Mein Leben für die Natur" nicht den Vergleich mit Alexander von Humboldt. Denn der Biologie schreibt so gelehrt, mit so viel Liebe und "sinnlicher Nähe" von der Natur, dass der Kritiker das Buch kaum aus der Hand legen möchte. Er lernt hier etwa, dass Evolutionstheorie und Ökologie kaum noch zusammenwirken, so dass beispielsweise das Nutzungsverbot des Auwalds einen Rückgang der dort lebenden Tiere bewirkt. Reichholf, der fast alle Kontinente und Klimazonen bereiste, erscheint dem Rezensenten als Spezialist der alten Garde, der seinen reichen Erfahrungsschatz sehr lesenswert vorzutragen weiß.
Die im ersten Satz des Buches explizit formulierte Absicht, keine Autobiografie schreiben zu wollen, könne der Evolutionsbiologe Josef H. Reichholf nicht einlösen, urteilt Cosima Lutz. Trotzdem oder gerade deshalb erfreut sich die Rezensentin an der geschilderten Entwicklung vom naturinteressierten Jugendlichen zum Uniprofessor. Dabei ist Reichholf in Lutz' Augen nicht gerade ein versierter Stilist, sondern "schreibt lieber bedächtig, ja altertümlich". Insgesamt fällt das Fazit der Kritikerin ambivalent aus: Sie schätzt manch hellsichtige Darlegung und wichtige Einsicht zum Thema Ökologie, zeigt sich aber auch irritiert vom "rhetorischen Holzhammer" des Autors, wenn es um Naturschutz und die Rolle der Medien geht: "Das nimmt stellenweise marottenhafte Züge an", findet Lutz, "da verlässt ihn die Sorgfalt, da lügt die Presse ein bisschen zu pauschal".
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