Josef H. Reichholf

Die Zukunft der Arten

Neue ökologische Überraschungen
Cover: Die Zukunft der Arten
C. H. Beck Verlag, München 2005
ISBN 9783406527869
Gebunden, 237 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Auch wenn manche Medienberichte oder eigene Beobachtungen dies nahezulegen scheinen, unsere heimische Natur befindet sich keineswegs auf dem Rückzug. Was vielen als ein Verarmen, als ein Verschwinden der Natur erscheint, ist zunächst nichts anderes als der Ausdruck für den Wandel der Natur. So lässt sich zum Beispiel festhalten: Das beklagte Artensterben findet zumindest in Deutschland nicht im befürchteten Umfang statt. Im Gegenteil, laut Angabe des Bundesamtes für Naturschutz leben in der Bundesrepublik 48.000 Tierarten. In der Bilanz sind das 4.000 mehr als noch vor zwanzig Jahren.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.12.2005

Sehr gestaunt hat die Rezensentin Tanja Busse über Josef H. Reichholfs "Plädoyer für die Entstaatlichung der Umweltpolitik". Dem Zoologen zufolge sitzt der Naturschutz, so wie er zumeist praktiziert wird, dem grundlegenden Irrtum auf, die Natur nicht als "etwas Dynamisches" zu denken, sondern als einen "Idealzustand", den der Mensch durch seinen Eingriff stört und zerstört. Als "Wunschbild", so die Rezensentin, dient dabei "die idyllische Bauernlandschaft des 19. Jahrhunderts". Dass die Artenvielfalt damals tatsächlich größer war, wolle Reichholf gar nicht abstreiten, doch er betone, dass nicht größerer Respekt vor der Natur, sondern materieller Mangel in der Landwirtschaft (etwa fehlender Dünger) für diesen Zustand verantwortlich gewesen sei. Doch damit nicht genug: Das Aussterben der auf magerem Boden gedeihenden Pflanzen, das sich im Zeitalter des intensiven Düngens ereignete, habe der staatliche Naturschutz mit seinen Abholzungsverboten de facto besiegelt. Wie Reichholf diesen und weitere erstaunliche Irrtümer aufdeckt, hat der Rezensentin gut gefallen, zumal er dies "in gut lesbarer Sprache" tut. Doch Reichholf geht so weit, die Naturschützer als "Feinde der Natur" zu bezeichnen und zeigt ihnen gegenüber eine mitunter spöttische Geringschätzung, die die Rezensentin so nicht teilen mag. Auch seinen Vorschlag, die Naturschutzgebiete zu privatisieren, findet sie übertrieben, schließlich dürfte die Politik durchaus in der Lage sein, ihre Irrtümer zu korrigieren.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.05.2005

Reichholfs Bücher provozieren eigentlich immer, hält Manuela Lenzen fest. Diesmal seien die Naturschützer selbst ins Visier des Autors geraten, denen der Verfasser einen "fundamentalistischen Konservatismus" unterstelle, der jede Veränderung ablehne. Aber gerade das mache doch das Wesen der Natur aus, dass sie sich ständig verändere, neue Arten in neuen Lebensräumen hervorbringe, halte ihnen Reichholf entgegen. Seine Thesen illustriert der Autor an der Praxis des Naturschutzes - weitgehend stichhaltig, so Lenzen. Reichholf führe diverse Beispiele dafür an, wie der Naturschutz den Artenschutz untergräbt. Für den Autor ergibt sich der Artenschutz automatisch durch den Schutz ihrer Lebensräume, alle weiteren Artenschutzbestimmugen hält Reichholf für überflüssig, fasst Lenzen zusammen. Der Verfasser plädiere als Konsequenz für ein Nebeneinander von privaten und staatlichen Schutzgebieten - die Natur bloß nicht wegsperren, lautet seine Devise, der Lenzen vorbehaltlos zustimmt.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 19.03.2005

"Anregend" fand Rezensentin Diemut Klärner die Lektüre dieses Buchs über die Zukunft der Arten, auch wenn sie einige Einwände hat. So informiere Josef Reichholf ausführlich über die nachteiligen Folgen einer immer besseren Wasserqualität von Seen und Flüssen. Der Verlust an organischen Abfallstoffen führt laut Reichholf dazu, dass die Zahl der Zuckmücken abnimmt, was sich wiederum nachteilig auf Vögel wie Mauersegler oder Teichrohrsänger auswirkt, die sich von den Mücken ernähren. "Nicht so recht deutlich" macht Reichholf aber, dass es in diesem Spiel auch Gewinner gibt, kritisiert die Rezensentin. Flussperlmuscheln oder die Prachtlibellen zum Beispiel können nur in leidlich sauberem Wasser überleben, hält sie dagegen. Insgesamt scheint die Rezensentin das Buch mit Interesse gelesen zu haben. Auch sie sorgt sich über den Rückgang zahlreicher Arten, die den Veränderungen in der Landwirtschaft zum Opfer fallen. Reichholf wisse "viel zu erzählen" über seine Forschungsarbeiten in Südbayern, habe eigene Ideen zum Naturschutz und wisse diese auch "offensiv zu vertreten". Auch wenn die Rezensentin nicht mit allem einverstanden ist, Stoff zum Nachdenken wurde ihr offensichtlich geboten. 
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