Herausgegeben von Gisbert Haefs und Fritz Arnold. Aus dem Spanischen übersetzt von Gisbert Haefs, Maria Bamberg, Ulla de Herrera und Edith Aron. Sein Name steht stellvertretend für die moderne Literatur in Lateinamerika: Jorge Luis Borges. In diesen Anthologien fesselt er den Leser mit einer fremden Welt jenseits unserer Alltagserfahrungen. Nicht weniger als 120 Phantasiewesen hat der aus Argentinien stammende Autor in den jahrtausendealten Vorstellungen der Menschen entdeckt oder selbst erfunden: vom Behemoth der Bibel, den Chimären der Griechen und den Dämonen der Juden bis zu den Drachen des Fernen Ostens und dem Einhorn des Mittelalters.
Feudig begrüßt Rezensent Jochen Schimmang diese Ausgabe der Anthologien von Jorge Luis Borges, die das "Handbuch der phantastischen Zoologie" (1957), "Das Buch von Himmel und Hölle" (1960) und das "Buch der Träume" (1976) in einem Band versammelt. Er würdigt die verlegerische und übersetzerische Leistung dieser Borges-Werkausgabe, die mit den Anthologien fast abgeschlossen ist, lobt die Anmerkungen, vermisst nur ein Lesebändchen. In den Anthologien findet Schimmang ein fantastisches Bestiarium, das zahllose Fabelwesen, Trolle und Nymphen, das Einhorn, den Phönix und Kafkas Odradek vorstellt. Borges' Texte glänzen für ihn durch Humor und "grenzenlose Phantasie". Nach all den neuen Realismen und Thomas-Mann-Revivals ist es nach Ansicht des Rezensenten wieder an der Zeit, mit Borges einen Autor zu lesen, der tut, "was Literatur eigentlich tun sollte". Und das ist für ihn: "Welt nicht abbilden, sondern neue Welten schaffen, zum grenzenlosen Vergnügen des Lesers."
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 30.09.2008
Heinz Schlaffer, emeritierter Professor für Literaturwissenschaften, begrüßt diesen neuen Band der "Gesammelten Werke" von Jorge Luis Borges, der drei Anthologien des Schriftstellers vereinigt und so Hunderte von Texten über phantastische Tiere, Himmels- und Höllenbilder, wahre und falsche Träume versammelt, die sich aus der Weltliteratur wie auch aus entlegenen Quellen speisen. Durch die Zusammenstellung wird für Schlaffer der "innere Zusammenhang von Mythen, theologischen Konstruktionen und psychischen Energien" sichtbar. Die Texte - er hebt beispielhaft den über die Figur des "Baldanders" hervor - lösen seines Erachtens beim Leser immer wieder Verwunderung und Nachdenken aus. Er bescheinigt dem Autor unglaubliche Belesenheit, sieht in den Büchern aber keine wissenschaftliche Lexika, sondern eher eine Art "Bilderbuch aus der Kindheit des Menschengeschlechts".
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