Jorge Luis Borges

Die unendliche Bibliothek

Erzählungen
Cover: Die unendliche Bibliothek
Kampa Verlag, Zürich 2026
ISBN 9783311101802
Gebunden, 672 Seiten, 42,00 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Karl August Horst, Wolfgang Luchting und Gisbert Haefs, neu durchgesehen von Gisbert Haefs. Seine Erzählungen gehören zum Faszinierendsten, was Jorge Luis Borges geschrieben hat. Mit "Universalgeschichte der Niedertracht" betrat der Erzähler Borges 1935 die literarische Bühne, "Fiktionen" und "Das Aleph" festigten seinen Ruhm. Heute ist kein Leserleben denkbar ohne "Die Bibliothek von Babel". Geschichten über Mörder, Betrüger, Piraten, Hochstapler oder Messerstecher stehen psychologischen Studien, phantastischen Erfindungen und literarischen Kabinettstücken gegenüber. Seine Erzählungen öffnen Türen zu paradoxen Welten, in denen sich das Universum in einem Punkt, ein Leben in einem einzigen Gedanken oder ein ganzes Schicksal in einer Entscheidung verdichtet.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 02.07.2026

Rezensent Jobst Welge freut sich sehr darüber, dass ein zentraler Teil des Werks Jorge Luis Borges' nun in einer kompakten neuen Veröffentlichung auf Deutsch vorliegt. Der Band, der alle Texte umfasst, die von Borges selbst als Erzählungen bezeichnet wurden und die ursprünglich in sechs Textsammlungen erschienen waren, basiert auf einer älteren, von Gisbert Haefs verantworteten Borges-Ausgabe und wird noch um drei weitere Bände ergänzt werden. Gut lässt sich einerseits nachvollziehen, wie vielseitig das erzählerische Werk des Schriftstellers ist, freut sich Welge - neben den zum Fantastischen tendierenden Texten, für die Borges bekannt ist, findet sich auch Geradlinigeres, zum Beispiel eine Reihe von Erzählungen im argentinischen Gaucho-Milieu. Andererseits erkennt man bei der Lektüre laut Welge allerdings auch, wie sehr Borges' Werk von Wiederholungen und wiederkehrenden literarischen Konstruktionen geprägt ist. Als Highlights hebt Welge unter anderem die Erzählungen "Der Aleph" und "25. August 1983" hervor, in letzterer trifft ein alternder Borges auf einen jüngeren. Alles in allem, so der Tenor der Besprechung, liegt hier eine Veröffentlichung vor, die dem Werk des großen Literaten Borges würdig ist.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Sonntagszeitung, 25.04.2026

Der große Einfluss von Jorge Luis Borges auf die Literatur des 20. und 21. Jahrhunderts ist nicht zu bestreiten, umso schöner, findet Kritiker Hernán Caro, dass der Kampa Verlag nun alle seine Erzählungen in einem Band herausbringt, von denen viele zu den berühmtesten Texten der "literatura fantástica" zählen. Caro empfiehlt die chronologische Lektüre, die "Enwicklungslinien" in Borges' Schreiben nachvollziehbar macht, die ersten Erzählungen erinnern ihn mit ihren Themen zwischen Betrug und Piratendasein an Drehbücher, später kommen dann Texte wie "Das Aleph", die auf die typische Borges-Art Literatur, Philosophie und Mathematik verbinden. Mit der Lektüre ließe sich auch mit einigen Mythen um den Autor aufräumen, so der Rezensent, seine Geschichten haben zwar viele Bezüge zu Europa, setzen sich aber genauso mit "uruguayischen Bauern" oder chinesischen Mythologien auseinander, auch unemotional ist er nicht, wie das Kreisen um Einsamkeit dem Kritiker zeigt. Pflichtlektüre, befindet Caro.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 25.04.2026

Rezensent Maximilian Mengeringhaus freut sich, dass Jorge Luis Borges' Erzählungen nun gesammelt auf Deutsch vorliegen, als Auftakt einer großen Werkausgabe. Herausgegeben wurde die neue Ausgabe von Gisbert Haefs, der bereits für den Hanser-Verlag Borges übersetzt hatte und nun seine eigene Arbeit noch einmal durchgesehen hat. Meisterstücke der kurzen Form hat Borges jede Menge geschrieben, hier ist ein Großteil davon in einer neuen Ausgabe versammelt, in chronologischer Reihenfolge. Dadurch kann man, freut sich der Rezensent, die Entwicklung zahlreicher Motive nachvollziehen, auf die Borges häufig zurückkomme, außerdem offenbaren sich dem Rezensenten strukturelle Parallelen zwischen einzelnen Erzählungen. Immer wieder brilliere Borges als postmoderner Autor avant a lettre, etwa wenn er in "Pierre Menard, Autor des Quijote" einen fiktiven Autor eine neue Version des "Don Quijote" schreiben lasse, die wortwörtlich der Vorlage gleiche. Ein metatextuelles Spiel, das, so Mengerinhaus, viele Nachahmer fand, längst nicht nur in Lateinamerika. Auch Borges' Hang zur Kunstsprache, die ihren Ausgangspunkt bei Soziolekten zum Beispiel von Gangstern nimmt, beschreibt Mengeringhaus ausführlich. All das ergibt ein unglaublich reichhaltiges, einfallsreiches, hyperreflexives Werk, das der Rezensent wirklich jedem zur Lektüre empfiehlt.

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