Eduardo Belgrano Rawson

In Feuerland

Roman
Cover: In Feuerland
C. H. Beck Verlag, München 2003
ISBN 9783406510410
Gebunden, 240 Seiten, 18,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen. Eduardo Belgrano Rawson erzählt von den letzten Tagen der Feuerländer zu Beginn des 20. Jahrhunderts und von der Wanderung, die Camilena Kippa mit ihrer Familie unternimmt, um sie in Sicherheit zu bringen. Als sich herausstellt, dass ihr Land zu den besten Schafzuchtregionen der Welt gehört, bricht Unheil über die Feuerländer herein. Ihre Abgeschiedenheit wird brutal beendet. Jetzt müssen sie das Archipel mit nordamerikanischen Robbenjägern, Goldsuchern, argentinischen und chilenischen Schafzüchtern, Skelettdieben und allen möglichen Abenteurern teilen, die in großer Zahl in diese Gegend strömen und die indianische Bevölkerung wie lästige Tiere behandeln. Auf der Flucht vor einer Horde Jäger beschließt Camilena Kippa, die vor der Auflösung stehende englische Mission zu verlassen, und macht sich mit ihrer Familie auf den Weg ins Land der Seehunde.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2004

Nico Bleutge ist absolut hingerissen von diesem Roman und fühlte sich beim Lesen wie "am Ende der Welt". Ohne Umschweife wurde er von Eduardo Belgrano Rawson in ein "Gefüge aus Stimmen, Namen und Andeutungen" entführt. Erzählt wird die Geschichte der "Vertreibung der Ureinwohner" Feuerlands, wobei Rawson die historischen Koordinaten "verschleift", und sich die Ortsnamen in keinem "Lexikon finden" - der Rezensent hat anscheinend alle nachgeschlagen -, so sei der Roman doch ein "Gedächtnisbuch", das den von Goldsuchern und Großgrundbesitzern vertriebenen Indianern würdig gedenke und dabei "niemals ins Lehrhafte" abrutsche. Abschließend lobt Bleutge die "Brüchigkeit" des Buches, die es "vor dem Kitsch des Ursprünglichen bewahrt".
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 05.03.2004

Florian Borchmeyer hat ein "kleines literarisches Wunder jenseits aller Bestsellerlisten" entdeckt: Eduardo Belgrano Rawsons "Scheindokumentation" über das Ende der Ureinwohner Feuerlands zu Beginn des 20. Jahrhunderts. Scheindokumentation deshalb, weil der Autor seiner Erzählung das Kostüm des kargen historischen Berichts überwerfe, um den Authentizitätsanspruch gleichzeitig zu unterlaufen. Die exemplarische Geschichte der Indio-Familie, die, vertrieben von ausländischen Goldgräbern und Glücksrittern, auf der Suche nach einer neuen Heimat den südlichen Zipfel Südamerikas durchquert, dieses Einzelschicksal ist erfunden - aber das Erzählte ist dennoch wahr und erhält durch die "schlichte und klischeefreie Eindringlichkeit der Charaktere" auch ungeheure literarische Glaubwürdigkeit. "Frei von jeder Nostalgie", schreibt Borchmeyer, "präsentiert sich Belgranos harscher, nüchterner Bericht, und dennoch pocht in ihm der Schmerz um den Verlust der letzten vorgeblich kulturlosen Bewohner Amerikas". Ein karges, großes Buch.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 17.01.2004

Es gibt ja einiges zu befürchten, wenn ein Roman vom Untergang Eingeborener handelt, die sich der Übermacht der arroganten Eroberer nicht mehr erwehren können, allem voran die Mär vom verlorenen Paradies, deshalb ist Kersten Knipp froh, dass in diesem Roman derartige Klippen souverän umschifft werden. Gewiss, ohne einige "erprobte Rührszenen" komme auch "Feuerland" nicht aus, insgesamt aber überzeuge die Erzählung durch ihre Zurückhaltung - Eduardo Belgrano Rawson versuche gar nicht erst, seine eigene Distanz zum Schicksal der Ureinwohner Feuerlands mit seinen Fantasien zu vertuschen und entgehe so der Gefahr von "Larmoyanz und ostentativer Empörung". Paradiese gibt es in diesem "stillen Buch" nicht, so unser Rezensent, nur die Kämpfe der Menschen in einer unwirtlichen Natur.