Jon McGregor

Speicher 13

Roman
Cover: Speicher 13
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2018
ISBN 9783954380848
Gebunden, 352 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Anke Caroline Burger. Ein kleines Dorf in Mittelengland. Die dreizehnjährige Rebecca Shaw, die hier mit ihren Eltern die Weihnachtsferien verbringt, kehrt von einer Moorwanderung nicht zurück. Die Polizei leitet umgehend eine großangelegte Suchaktion ein. Ein Hubschrauber wird eingesetzt, Beamte durchkämmen die Gegend, Taucher kontrollieren die umliegenden Speicherseen. Auch die Dorfbewohner beteiligen sich an der Suche. Die Presse erfährt vom Verschwinden des Mädchens und schickt Reporter vor Ort. Bald schon fürchten alle Beteiligten das Schlimmste, und die Leute im Dorf müssen einen Weg finden, im Schatten der Ereignisse ihren Alltag zu bewältigen.
In seinem Roman erzählt Jon McGregor, wie Menschen mit einer Tragödie umgehen, die sie aus nächster Nähe miterleben, und was von dieser Tragödie den Wandel der Zeit überdauert. Denn die Ungewissheit bleibt. Auch wenn die Jahre vergehen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.07.2018

Weit mehr als ein gewöhnlicher Krimi ist Jon McGregors "Speicher 13" für den Rezensenten Ulrich Baron. Geradezu wie eine Gegenschrift zu Lessings Laokoon erscheint dem Kritiker der Roman, wenn er liest, wie der britische Schriftsteller die Zeit im Text geradezu einfriert, wenn er alle Jahreszeiten, alle Ereignisse immer wieder um den einen Tag in der Weihnachtszeit kreisen lässt, an dem die dreizehnjährigen Rebecca verschwand. Den Rezensenten verschlägt es hier in ein Dorf in Mittelengland, er streift mit dem allwissenden Erzähler durch eine pittoreske Szenerie voller Speicherseen, Heide, Moore und Höfe, blickt in Häuser, Träume und Fantasien der Bewohner und begegnet immer wieder dem vermissten Mädchen. McGregors lakonischer, leise ironischer Erzählton hat Baron ebenfalls gut gefallen.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 06.03.2018

Angela Schader ist ganz begeistert von Jon McGregors Roman. Teuflisch gut findet sie, wie der Autor 13 Jahre Handlung um das Verschwinden eines Mädchens in einem mittelenglischen Dorf entfaltet. Spannung entsteht, und ein ganzes Dorf erwacht zum Leben, staunt die Rezensentin, Landschaft und Leute, vierzig Figuren in "schwebender Perspektive". Bald wähnt sie sich selbst ein Teil der Dorfgemeinschaft, auch wenn sie manches regionale Detail, manchen Brauch nachschlagen möchte, das der Autor als leichten Kontrapunkt in seinen Text setzt, der sich laut Schader langsam mit Schwere vollsaugt, ohne lastend zu wirken. Menschliche Verhältnisse und Landschaft darzustellen, ohne Symbolik zu bemühen, darin ist der Autor ein Meister, meint Schader.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.02.2018

Der Plot um das Verschwinden eines Mädchens, das den Hinterbliebenen in Albträumen begegnet, ist schnell zusammengefasst, meint Rezensentin Julika Griem. Ein klassischer Whodunit will Jon McGregors spannungs- und ereignisarmer Roman "Speicher13" aber auch gar nicht sein, fährt die Kritikerin fort, die sich vielmehr von dem alle Genregrenzen sprengenden, klug konstruierten Konzept des britischen Schriftstellers hat in den Bann ziehen lassen. In dreizehn Kapiteln legt ihr McGregor mit zurückgenommenem Erzählton und "zunächst irritierender Monotonie" das Dorfleben jenseits der Idylle frei, verleiht seinen Figuren Tiefe und beleuchtet das Leben im Kollektiv, lobt die Rezensentin, die bei dem Autor auch ganz nebenbei achtsames Lesen lernt. Und wie gekonnt McGregor mit Gewährsmännern und -frauen wie Jane Austen, George Eliot, Agatha Christie oder Adam Thorpe umgeht, ringt der Kritikerin ohnehin größte Anerkennung ab.
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Rezensionsnotiz zu Die Welt, 14.02.2018

Rezensent Elmar Krekeler wundert es schon nicht mehr, dass ein Krimiautor wie Jon McGregor bei uns nicht die Ehre erhält, die ihm gebührt. Wenn sich der Autor mit diesem Roman einmal mehr gängigen Verlaufsformen, Dramaturgien und Erzählstrategien des Genres widersetzt und dem Leser statt Aufklärung sehr britische Alltagsgeschichte und den Einfall des Bösen bietet, ist Krekeler umso mehr fasziniert. So trocken und doch genau bis in die kleinsten Porträts und Begebenheiten ist sonst keiner, versichert der Rezensent.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 25.01.2018

Zufällig und unvorhersehbar erscheinen all die Ereignisse, die gewöhnlichen und die ungewöhnlicheren, die ein Leben bilden, dem Menschen, der sie gegenwärtig erlebt. Im Rückblick jedoch stellen sie sich dem selben Menschen als determinierte, logisch aufgebaute Kausalkette dar - ganz ähnlich erlebt Rezensentin Sylvia Staude Jon McGregors neuen Roman. Erst nach und nach stellt sich heraus, dass jeder der "scheinbar absichtslosen, schlicht gebauten Sätze" und jedes kleine, mit leichter Hand eingestreute Detail ein Teil des großartigen Mosaiks ist, das der Autor mit diesem Buch zusammensetzt, erklärt Staude. Die Geschichte scheint vertraut: Ein Mädchen verschwindet in einem kleinen englischen Ort und wird 13 Jahre lang gesucht. Während dieser 13 Jahre, in denen der auktoriale aber zurückhaltende Erzähler die Bewohner des Dorfes beobachtet und begleitet, verändert sich vieles, ganz gewöhnliches und doch schafft es der begabte Autor, dass man dieses Buch, das so viel mehr ist als ein Krimi, einfach nicht mehr weglegen möchte, freut sich die begeisterte Rezensentin.