Paulus Hochgatterer

Fliege fort, fliege fort

Roman
Cover: Fliege fort, fliege fort
Deuticke Verlag, Wien 2019
ISBN 9783552064034
Gebunden, 288 Seiten, 23,00 EUR

Klappentext

Psychiater Horn und Kommissar Kovacs, das Duo aus "Die Süße des Lebens" und "Das Matratzenhaus" ermitteln. Der Sommer hält Einzug in Furth am See. Während sich die Hotelterrassen füllen und die Schüler auf ihre Zeugnisse warten, nehmen besorgniserregende Ereignisse ihren Anfang. Auf immer grausamere Weise werden Gewalttaten gegen ältere Menschen verübt. Die Opfer scheint nur eins zu verbinden - das Bestreben zu schweigen. Schließlich verschwindet auch noch ein Kind. Der Psychiater Raffael Horn und Kommissar Ludwig Kovacs beginnen die spärlichen Anhaltspunkte zu verknüpfen und in lang vergangene dunkle Geschichten einzutauchen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 13.11.2019

Sylvia Staude schätzt den Autor und Kinderpsychiater Paulus Hochgatterer für sein genaues Erzählen, man dürfe sich allen Zuschreibungen zum Trotz aber keinen gängigen Kriminalroman von ihm erwarten. "Fliege fort" führt wieder ins fiktive Fürth am See, berichtet Staude: Menschen erleben Unfälle oder Verletzungen, über die sie nicht sprechen, die sie aber eindeutig in Angst versetzen. Kommissar Kovac und der Psychiater Raffael Horn beschäftigen sich mit den Vorfällen, ohne dass sie einen Fall aufklären. Vieles bleibt lange unübersichtlich, räumt die Rezensentin ein, die aber davor warnt, aufzugeben. Wer durchhält, versichert Staude, wird belohnt durch die "Wahrhaftigkeit und Lebensnähe", mit der Hochgatterer Missbrauch, Schweigen und Rache zum Thema macht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.11.2019

Hannes Hintermeier beharrt darauf, dass es sich bei Paulus Hochgatterers fein gearbeitetem, sprachlich hochpräzisem Werk um einen Kriminalroman handelt, auch wenn dem Autor dies noch so sehr missbehagt. Der österreichischen Schriftsteller und Kinderpsychiater lässt in "Fliege fort, fliege fort" gleich eine ganze "Verbrechenswalze" auf die idyllische Kleinstadt Fürth am See niedergehen, erzählt Hintermeier, doch im Mittelpunkt steht die Entführung eines kleinen Mädchens. Beim Entführer handelt es sich um den ehemaligen Schützling des früheren Kinderheims, das heute als Auffanglager für minderjährige Flüchtlinge dient. Wie Hochgatterer Missbrauch und Demütigung thematisiert und über die Zeit verfolgt, was aus den Täter und Opfern von damals wurde, das beeindruckt den Rezensenten zutiefst. 
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 31.10.2019

Rezensent Rudolf Neumaier empfiehlt Paulus Hochgatterers "Aufarbeitungskrimi", obwohl ihm das Personal fast ein wenig zu umfangreich und originell erscheint für die österreichische Provinz, in die der Autor seine Entführungsgeschichte platziert. Lakonisch und pointensicher serviert Hochgatterer den Fall nebst Privatleben seiner Figuren, nebst Vernetzungen von allerhand Zwischen- und Nebenfällen, so Neumaier, und schreibt "beklemmende Kerkerszenen".

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 26.10.2019

Rezensent Paul Jandl fand Hochgatterers Krimi über verschiedene Verbrechen, die in einer österreichischen Kleinstadt geschehen, sehr raffiniert. Aus der Ich-Perspektive erzählt hier nur der Entführer eines kleinen Mädchens und offenbart dabei die Grausamkeiten, die ihm als Kind in der Kleinstadt angetan wurden, so Jandl. Ansonsten folgt Hochgatterer dem ansässigen Kommissar und dem Psychiater im hiesigen Krankenhaus bei ihren Schlussfolgerungen und zeigt dabei subtil, wie ähnlich sich beide Berufe eigentlich sind, lobt der Kritiker. So entsteht laut Jandl "ein kleinstädtisches Gesellschaftspanorama feinster Brutalität", das sich nach und nach zu einem düsteren Bild zusammenfügt.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 12.10.2019

Obwohl Paulus Hochgatterer eigentlich kein Krimi-Autor ist, weiß Rezensentin Katharina Granzin diesen Roman über die Misshandlung dreier alter Leute und die Entführung eines Kindes in einer beschaulichen Kleinstadt nicht anders zu benennen. Dennoch kreisen die Gedanken der Anwohner, aus deren Perspektive man die Geschichte erfährt, auch viel um ihr Privatleben, erzählt Granzin. Die faszinierte Kritikerin hat beim Lesen gemerkt, dass der Autor, hauptberuflich Psychiater, sich mit menschlichen Abgründen auskennt: Dass das Monströse gerade in der muffigen Beschränktheit der Kleinstadt wächst, aber dann auch Formen annimmt, die sich nicht mehr so leicht herleiten lassen, fand sie sehr überzeugend.

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