David Peace

1977

Roman
Cover: 1977
Liebeskind Verlagsbuchhandlung, München 2006
ISBN 9783935890366
Gebunden, 396 Seiten, 22,00 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Peter Torberg. Yorkshire, 1977. Polizeisergeant Robert Fraser wird zu einer Sondereinheit abgestellt, die den grausamen Mord an einer Prostituierten aufklären soll. Bald schon werden Parallelen zu anderen Mordfällen aufgedeckt und die ersten Verdächtigen festgenommen. Noch bevor ein weiterer Prostituiertenmord die Öffentlichkeit in Angst und Schrecken versetzt, schaltet sich Jack Whitehead, Starreporter der Evening Post, in die Ermittlungen ein und versucht, auf eigene Faust den "Yorkshire Ripper" zu stellen. Doch Fraser und Whitehead verstricken sich in ein Geflecht aus Intrigen, Korruption und tödlicher Gewalt. Denn die beiden teilen ein Laster, das ihnen zum Verhängnis werden kann: die Huren von Chapeltown.
Temporeich und mit großer Leidenschaft erzählt David Peace von dunklen Obsessionen, vermeintlich rechtschaffenen Bürgern und einem tödlichen Spiel mit der Wahrheit. "1977" ist der zweite Teil des preisgekrönten Red Riding Quartetts, einer Chronik Englands in den siebziger und frühen achtziger Jahren, mit der David Peace zu einer der wichtigsten Stimmen der neuen englischen Literatur avancierte.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 27.04.2006

Ulrich Baron tut sich schwer mit der Hektik von David Peace. So ähnlich wie James Ellroy schreibe der britische Krimiautor, meint der Rezensent, nur nicht so gut. Dass manche seiner Kollegen dieses atemlose Flick- und Fetzenwerk von dunklen Motiven und Blut für die Zukunft des Kriminalromans halten, bringt Baron ins Grübeln. Hintergrund der Erzählung sind die historischen Taten des Yorkshire-Ripper, der in den 1970ern Frauen mit einem Hammer erschlug und sie dann auf bestialische Weise verstümmelte. "1977" macht unmissverständlich klar, dass Yorkshire ein entsetzlicher Ort ist. Mehr aber hat der seltsam irritierte Rezensent im Grunde von dem fraktioniert-expressionistischen Text nicht begriffen, die Machart war ihm doch zu unübersichtlich. Die Spannung wird nicht von einer guten Story grundiert, meint Baron, eine Moral sucht man vergeblich, auch von "human interest" ist nicht viel zu spüren. Sollte dies tatsächlich die Zukunft des Krimis sein, schreibt der Rezensent, dann würde "Spannung von Hektik verdrängt, und das Manische würde Manier".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 23.03.2006

Tobias Gohlis hat David Peaces Buch, das auf den realen Morden des "Yorkshire Rippers" beruht, voll und ganz umgehauen. "Das ist nicht U wie Unterhaltung", warnt er den Zerstreuung suchenden Leser, "sondern E wie Ernst". Peace nehme sich gegenüber den Fakten eigene Freiheiten heraus und erzeuge Empathie mit den Handelnden durch Konzentration des Geschehens und eine "rhapsodische Intensität" der Sprache. Die Protagonisten, Ermittler und Gerichtsreporter, haben immer mehr Angst um ihre Geliebten, die als Prostituierte bevorzugte Opfer des Rippers sind. Ihre schließlich aus Sorge "irren inneren Monologe" heben die Trennung von Außen und Innen auf, meint Gohlis, der Peace aufgrund des "hypnotischen Raps" seines Vortrags auch live nur empfehlen kann.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 04.03.2006

Die Rezensentin Katharina Granzin ist offensichtlich fasziniert von den Romanen des englischen Autors David Peace, denn in ihnen ist das Düstere nicht nur eine Pose. Vielmehr "arbeitet jemand erkennbar echte Obsessionen ab". Die erklären sich ihrer Einschätzung nach vielleicht dadurch, dass Peace zu der Zeit in Yorkshire aufwuchs, als dort der "Yorkshire Ripper" wütete. Eine uneingeschränkte Leseempfehlung will die Rezensentin für die "wohl härtesten Serienkiller-Romane", die man derzeit kaufen kann, trotzdem nicht geben. Denn "dem großen, alles verschlingenden Schmerz, der in den Eingeweiden dieser Bücher wütet, entkommt man nicht" - auch nicht indem man nur "diagonal liest". Weniger verständlich wird die Handlung dadurch allerdings kaum, denn da wird sowieso "mit Namen, Ereignissen, Andeutungen um sich geworfen, als sei man schon immer dabei gewesen" - was verwirrend sei, aber bei der Lektüre auch das "Gefühl der Unmittelbarkeit steigert".
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