Aus dem Englischen von Bernhard K. Tragelehn. Mit Materialteil. 1633 in London uraufgeführt, handelt dieses im Renaissance-Italien spielende Stück von Intrigen, Inzest und allerlei Verwicklungen. In prallen, teils sinnlichen, teils grotesk-grausamen Bildern zeigt der Shakespeare-Zeitgenosse John Ford in seinem Drama die Macht der Liebe gegenüber einer verkommenen Gesellschaft auf.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 10.04.2003
Auf Willi Winkler wirkt der Nachdruck des 1633 in London uraufgeführten Theaterstücks wie ein "gebundenes Programmheft", doch er betont, dass es nicht "ohne Verdienst" sei. Der Rezensent erklärt, dass das Stück, in dem es um die Liebesbeziehung eines Geschwisterpaars geht, wegen seines brisanten Themas kaum gespielt worden ist. An der Übersetzung von B.K. Tragelehn kritisiert er, dass sie zwar in "quellreinem Fernsehdiskussionsdeutsch" daherkomme, und das Argument der besseren Sprechbarkeit vielleicht nicht gänzlich von der Hand zu weisen sei, es ihr leider aber an "Anmut und Würde" fehle. Außerdem beschwert sich Winkler noch über einige "Druck- und Satzfehler" und wundert sich nachdrücklich, warum der im Original im Präsenz geschriebene Titel in der deutschen Übersetzung in der Vergangenheit erscheint. Immerhin, eine "nützliche Bibliografie" und Hinweise zur "Wirkungsgeschichte" lobt Winkler an dieser Ausgabe.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.03.2003
Auf Begeisterung stößt der erste Band der neuen Reihe "Alt englisches Theater neu" bei Tobias Döring. Philologische Arbeit und bühnenpraktische Kenntnisse fließen hier dank Herausgeber B. K. Tragelehn zusammen, schwärmt Döring und begrüßt, dass in der Reihe nicht nur Shakespeares Stücke, sondern auch die anderer Kollegen und Rivalen vorgesehen sind. Viele Stücke des 16. und 17. Jahrhunderts erschließen sich erst durch Querverbindungen, meint Döring. Für ihn liest sich Fords "Schade, dass sie eine Hure war" wie eine Entgegnung auf Shakespeares "Romeo und Julia"; nur ein kleines, aber entscheidendes Detail hat Ford verdreht, teilt er mit: das Liebespaar stammt nicht aus verfeindeten Elternhäusern, sondern aus einem Elternhaus. Eine drastische Liebes- und Inzestgeschichte also, so Döring, die unversöhnlich endet und das Metaphorische ins Wörtliche wendet. Ähnlich wie bei Kleist schlage die Sprache häufig von Vers in Prosa um, schwanke zwischen völligem Verstummen und exaltierter Rede. Der Band steuert nicht nur eine neue Übersetzung bei, lässt uns Döring wissen, sondern erschließt ebenfalls Quellen zur Rezeptionsgeschichte; zuletzt ließ sich Peter Greenaway für seinen amourös-kannibalistischen Film "Der Koch, der Dieb, seine Frau und ihr Liebhaber" davon anregen.
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