John Dupre

Darwins Vermächtnis

Die Bedeutung der Evolution für die Gegenwart des Menschen
Cover: Darwins Vermächtnis
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2005
ISBN 9783518584323
Gebunden, 150 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Eva Gilmer. Fast 150 Jahre nach dem Erscheinen von Darwins "Die Entstehung der Arten" und ausgehend von der Frage nach den Folgen der Darwinschen Theorie für das Selbstverständnis des Menschen und insbesondere für das Verständnis der menschlichen Kultur, entfaltet der angesehene Wissenschaftstheoretiker John Dupre in Darwins Vermächtnis ein Bild der Evolution aus philosophischer Sicht. In scharfsinniger und provokanter Verteidigung der Evolutionstheorie gegen ihre Liebhaber und Verächter weist er zum einen den hochfliegenden Anspruch insbesondere der evolutionären Psychologie zurück, die vielfältigen Aspekte der menschlichen Kultur, wie sie in Sprache und Moral, Sexualität und Kunst zum Ausdruck kommen, mit Hilfe der Evolution erklären zu können.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 09.07.2005

Angetan zeigt sich Rezensent Christian Weymayr von John Dupres "sehr lesbarem" Essay "Darwins Vermächtnis". Im Mittelpunkt sieht er dabei zwei Fragen: Was spricht nach Darwin noch für einen Gott? Und ist der Mensch evolutionär erklärbar? Während Dupre die erste Frage "schlüssig" mit "Nichts" beantworte, bleibt er bei der zweiten Frage nach Ansicht Weymayrs eher "vage". Dass unsere Erbanlagen allein noch nicht erklären können, warum wir sind, wie wir sind, wertet Weymayr als eine "wenig überraschende Erkenntnis". Zwar erscheint ihm plausibel, dass es auch ein "kulturelle Evolution" gibt. Wie diese aber vonstatten geht, ob sie sich in Ei- und Samenzelle manifestiert und so von einer Generation auf die nächste vererbt wird, erfährt man nach Auskunft Weymayers bei Dupre allerdings nicht.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.06.2005

Enttäuscht zeigt sich Thomas Weber vom jüngsten Buch des britischen Wissenschaftsphilosophen John Dupre. Enttäuscht, weil Dupres Empirismus zwar ein "kostbares Mittel der Kritik" sei, um die Evolutionsbiologie in ihre Schranken zu verweisen, aber auf dem Gebiet der nichtempirischen Annahmen und Beweisführung eher unzureichend ausfalle. Dupre sei nach wie vor in der alten Dichotomie von Biologie und Kultur gefangen, kritisiert Weber.Für den Rezensenten ist es sehr bedauerlich, dass der Wissenschaftsphilosoph topaktuelle Fragestellungen "mit den Mitteln von vorgestern" erörtert. Den in den letzten Jahren laufenden Dialog zwischen Evolutionsbiologie und Anthropologie bzw. Entwicklungspsychologie habe Dupre kaum zur Kenntnis genommen, bemängelt der Rezensent. Und die Ermahnung Dupres, immer schön wachsam und skeptisch zu bleiben, hält er als Rat für wenig hilfreich. Es geht ihm nicht ein, dass die Biologie auf komplexe biologische und kulturelle Entwicklungen nur vereinfachende Antworten geben kann. Demzufolge hält er es für sehr schade und kaum verständlich, dass ein so renommierter Wissenschaftsverlag wie Suhrkamp ein zentrales und aktuelles Thema "mit alten Hüten" besetze.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

Als Abwehrreaktion gegen neuere Publikationen, die eine "'Überbetonung des Genetischen'" forcieren, wertet Rezensent Ulrich Baron die Auseinandersetzung des Philosophen John Dupre mit "Darwins Vermächtnis". Obwohl Dupre Darwins Theorie eine "überwältigende Plausibilität" zugestehe, sei sie allein nicht in der Lage, "alles was wir sind und tun", zu erklären, resümiert Baron den Gedankengang der Studie. Der Rezensent schätzt den "bekennenden Empirisimus" Dupres, hat aber zu bemängeln, dass dieser nichts über die Verhaltensforschung eines Lorenz oder Eibl-Eibesfeldt sage. Gerade diese Untersuchungen tierischen und frühkindlichen Verhaltens müssten Dupres jedoch interessieren, heißt es in der Rezension. 

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.03.2005

Die Evolutionstheorie ist eine wichtige Erklärung der Stellung des Menschen im Universum - allerdings von begrenzter Reichweite. Auf diesen Nenner bringt Cord Riechelmann die zentrale These von John Dupres "kongenial übersetzten" Essay "Darwins Vermächtnis". Für religiöse Erfahrungen sehe der dem Empirismus und Skeptizismus sowie der stilistischen Klarheit David Humes verpflichtete britische Philosoph in der Evolutionstheorie keinen Platz. Er wende sich insbesondere der Frage zu, was natürliche Auslese bedeute und wie sie vonstatten gehe. Dabei referiere er konkurrierende Theorien und schließe sie kurz. Die Evolution, erklärt uns Riechelmann, ist nach Dupre ein Prozess, der gleichzeitig auf mehreren Ebenen stattfinde, die der Gene und des Individuum sowie der Gruppe und der gesamten Spezies eingeschlossen. Riechelmanns Zustimmung hat Dupre, wenn er die zu simplen Erklärungen mancher Evolutionspsychologen kritisiert, die die Diskontinuitäten zwischen Mensch und Tier sowie zwischen Tier und Tier ignorieren. Als "explosiv" empfindet Riechelmann insbesondere die Kapitel zum biologischen und sozialen Geschlecht, in denen Dupre die Grenzen der biologischen Interpretation der Wirklichkeit aufzeigt.
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