Aus dem Englischen von Manfred Pfister. John Clares Eltern sind des Schreibens und Lesen kaum mächtig. Als Junge ist er Feldarbeiter - und wird zum Prototyp des "peasant poet", des ungebildeten Landmanns, der anrührende Dichtung schreibt. An dem Zwiespalt zwischen vergeistigter Dichterexistenz in London und ärmlicher Provinzwelt daheim wird er schließlich zerbrechen. Die letzten 27 Jahre seines Lebens verbringt John Clare - dichtend - in einer psychiatrischen Anstalt. In England gilt er längst als einer der Großen, in Deutschland dagegen ist er skandalträchtig unbekannt - von seiner Lyrik war bisher kaum etwas übersetzt.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 23.07.2021
Rezensent Thomas Steinfeld liest die Gedichte von John Clare in der neuen, von Manfred Pfister besorgten Ausgabe mit Freude. Clares tragische Geschichte, er verbrachte einen Großteil seines Lebens in der Psychiatrie und fand nur im Dichten einen verständlichen Ausdruck, spiegeln die Texte nicht. Dafür erzählen sie laut Rezensent vom ländlichen Proletariat, dem Clare entstammte. Die "persönliche" Grammatik der Gedichte, ihr romantischer, bisweilen naiver Ton täuschen den Rezensenten nicht darüber hinweg, dass der Autor stets weiß, was er tut. Pfisters Übersetzung von Versmaß und Reim überzeugt Steinfeld hingegen nicht vollends. Die Leichtigkeit und Genauigkeit des Originals geht mitunter verloren, findet er.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.07.2021
Rezensentin Angelika Overath ist hin- und hergerissen. Das Verdienst von Manfred Pfister, eine Auswahl von John Clares Versen erstmals auf Deutsch herauszugeben, ist gar nicht genug zu würdigen, meint sie. Sie schwelgt in den melancholischen, geradezu "andächtigen" Naturbeobachtungen, Liebesgedichten und Satiren des Bauerndichters und erfährt aus Pfisters informativem Nachwort sowie aus den Kommentaren zu den Gedichten allerhand über Clare, der nur bis zum 12. Lebensjahr zur Schule ging, sich zeitweise besser verkaufte als Keats und die letzten 27 Lebensjahre in der Psychiatrie verbrachte. Nicht glücklich wird Overath indes mit der deutschen Übersetzung dieser zweisprachigen Ausgabe: Pfisters Entscheidung, Clares musikalische Lyrik in deutsche Reime zu übertragen und dabei auf die ursprünglichen regelmäßigen jambischen Metren zu verzichten, hält die Kritikerin für falsch: Dadurch erschienen Clares Verse ein wenig bieder.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 17.03.2021
Rezensent Manuel Müller scheint ergriffen angesichts des weiten Weges, den der Dichter John Clare gehen musste, von einem völlig amusischen Elternhaus bis in die Irrenanstalt. Dass Clare als Naturdichter dennoch mit Wordsworth verglichen wurde und heute ein Revival erlebt, scheint dem Rezensenten bemerkenswert. Den zweisprachigen Band mit Clares Gedichten in der "emphatischen" Übersetzung von Manfred Pfister hält Müller für eine Gelegenheit, den Lyriker neu zu entdecken.
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