Gershom Scholem, Nasr Hamid Abu Zaid, Hans Jonas und Tariq Ramadan - vier Intellektuelle, die auf die Krise, in die ihre Religion - das Judentum und der Islam - durch den allgemeinen Säkularisierungsprozess geraten ist, nicht reagieren, indem sie von ihrer Religion abfallen. Vielmehr versuchen sie alle, an ihrer Religion festzuhalten. Dafür ist es aber notwendig, die Religion zu transformieren und zwar dergestalt, dass sie mit den Bedingungen moderner Gesellschaften kompatibel ist. Die hier versammelten interessanten und hoch aktuellen Studien des Frankfurter Soziologen und Pädagogen Johannes Twardella machen deutlich, welche Bedeutung in diesem Transformationsprozess die jeweiligen religiösen Traditionen haben und wie diese wesentlich dazu beitragen, dass diese vier Intellektuellen zu ganz unterschiedlichen Ergebnissen gelangen. Ergänzt werden diese Studien durch einen Aufsatz über Franz Rosenzweigs Interpretation des Islam.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.05.2007
Auch als Ausdruck für die allgemein aufkommenden Zweifel an der "Säkularisierungsthese" sieht Rezensent Hans Joas das jüngste Buch des Religionswissenschaftlers Johannes Twardella an, der darin seine bisher verstreut publizierten Beiträge zu drei jüdischen und zwei muslimischen Denkern des 20. Jahrhunderts versammelt. In den Porträts von Gershom Scholem, Hans Jonas, Franz Rosenzweig, Tariq Ramadan und Nasr Hamid Abu Zaid untersucht er deren intellektuelle Auseinandersetzung mit Religion und Glauben. Als verdienstvoll lobt Joas, dass der Autor die beiden islamischen Intellektuellen als gleichrangige Teilnehmer in einer von westlichen Denkern dominierten Diskussion und Moderne antreten lässt. Dass der Autor bei seiner Interpretation allerdings eine gänzlich unhinterfragte und nicht weiter untersuchte Vorstellung von "Religiosität" und "Moderne" vertritt, deren Maßstäbe er unbekümmert an die fünf Intellektuellen anlegt, findet der Rezensent zu kurz gegriffen. Er reagiert mit Unverständnis auf Twardellas untergründig mitschwingende Meinung, Glaube und Intellektualität seien im Grunde nicht zu vereinbaren. Bei aller Feinfühligkeit der einzelnen Beiträge, die Joas durchaus lobend hervorhebt, kann er sich mit diesem Band deshalb insgesamt nicht recht anfreunden.
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