Klappentext

Herausgegeben von Ulrike Leuschner in Verbindung mit Julia Bohnengel, Yvonne Hoffmann und Amelie Krebs. Bekannt ist Johann Heinrich Merck vor allem als Freund und Briefpartner Goethes und der Herzogin Anna Amalia. Aber sein Werk und sein umfangreicher Briefwechsel haben einen deutlich weiteren Horizont. Als Schriftsteller, Rezensent und Verleger griff Merck in das literarische Geschehen seiner Zeit ein. Als Kunstkenner und -vermittler förderte und beriet er Künstler und Sammler. Den Fürsten unter seinen Briefpartnern galt er als Fachmann in agrarökonomischen Fragen. Nach 1780 führte ihn seine Leidenschaft für die Naturforschung auf das kaum erschlossene Feld der Paläontologie und ließ ihn intensive Kontakte mit den Fachgelehrten knüpfen. Die überlieferte Korrespondenz mit rund 150 Briefpartnern in Europa umfasst über 1.000 Briefe aus 27 Jahren. Sie dokumentiert eine Fülle von Ereignissen aus Politik, Wirtschaft, Wissenschaft, Technik, Kunst, Literatur und Alltagsleben im ausgehenden 18. Jahrhundert. Der ausführliche Kommentar beleuchtet die kulturhistorischen und sozialen Hintergründe. Die Ausgabe enthält zahlreiche Erstdrucke und viele nach den Handschriften hier erstmals vollständig gedruckte Briefe.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.07.2008

Mit Begeisterung taucht Lothar Müller in diesen fünfbändigen Briefwechsel Johann Heinrich Mercks ein und meint, dass der Jugendfreund Goethes mit den über tausend Briefen und Antwortschreiben zu seinem Recht kommt. Nicht nur lernte man in dieser, wie der Rezensent preist, "mustergültigen" Ausgabe den Kritiker Merck als Liebhaber, Ehemann, Familienvater und fleißigen Publizisten kennen. Zugleich biete sich hier so etwas wie der lebensnahe Spiegel seiner Welt mit all ihren Widersprüchen und Gegensätzen, so Müller weiter, der in dem Briefwechsel einen veritablen "Statthalter" für die noch nicht geschriebene Biografie Mercks würdigt. Zwar haben beispielsweise Herder und Goethe seine Briefe verbrannt, so dass große Lücken in der Korrespondenz klaffen, wie der Rezensent feststellt. Dafür nehme aber die Korrespondenz mit Wieland, für dessen "Teutschen Merkur" Merck schrieb, in ihrem Facettenreichtum einen wichtigen Platz in den Bänden ein. Besonders spürbar wird für Müller in diesen Briefen, wie stark Merck, der sich 1791 das Leben nahm, zwischen aufklärerischem "Enthusiasmus" und dem Leiden an der Enge hin und her gerissen war.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.07.2008

Alexander Kosenina begrüßt diese fündbändige Ausgabe der gesamten Korrespondenz Johann Heinrich Mercks (1741-1791). Der "imposante Briefwechsel" des Naturforschers, Schriftstellers und Rezensenten vermittelt für ihn ein lebendiges Bild der literarischen Darmstädter Szene der Empfindsamen. Neben der Korrespondenz mit Herder und Goethe hebt Kosenina besonders die mit Wieland hervor, die für ihn das "Herzstück" der Edition ist. Mit großem Lob bedenkt er Ulrike Leuschner für ihre hervorragende Kommentierung und Edition der Briefe, welche die einbändige Edition aus dem Jahr 1968 in Sachen Qualität und Quantität seines Erachtens weit übertrifft.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 23.02.2008

Hocherfreut zeigt sich Rezensent Manfred Koch über diese umfassende Edition der gesamten Korrespondenz von Johann Heinrich Merck (1741-1791), die Ulrike Leuschner herausgegeben hat. Der "mustergültig" edierte und kommentierte Briefwechsel vermittelt für ihn ein facettenreiches Bild der literarischen Umwälzung beim Übergang von der Empfindsamkeit zum Sturm und Drang, bei der Merck eine Schlüsselrolle gespielt hat. Gerade der Briefwechsel mit Herder scheint Koch in dieser Beziehung sehr aufschlussreich. Er schildert Mercks Weg zum gefragtesten Rezensenten Deutschlands, der die Dichter des Sturm und Drang, vor allem Goethe und Herder, bekannt gemacht hat. Das Zentrum des Werks sieht Koch im Briefwechsel mit Wieland, für ihn eine "wunderbar leichte, witzige Unterhaltung über die deutsche Gegenwartskultur" und ein "Dokument einer Freundschaft". Deutlich wird für ihn hier, dass der talentierte Merck keineswegs so maliziös und sarkastisch war, wie er der Nachwelt gelegentlich erschienen ist. Abschließend bekundet Koch seine Hoffnung auf eine Neuausgabe von Mercks literarischem Werk.