Johan Huizinga

Kultur- und zeitkritische Schriften

'Im Schatten von Morgen' und 'Verratene Welt'
Cover: Kultur- und zeitkritische Schriften
Wilhelm Fink Verlag, Paderborn 2014
ISBN 9783770555758
Gebunden, 305 Seiten, 29,90 EUR

Klappentext

Herausgegeben und mit einem Nachwort versehen von Thomas Macho. Wenige Jahre vor und nach Abfassung seiner berühmten Untersuchung über das Spiel, "Homo ludens" (1938), verfasste der niederländische Kulturhistoriker Johan Huizinga (1872-1945) zwei Werke zur Analyse und Kritik seiner Zeit - der Herrschaft des Nationalsozialismus in Europa und des Zweiten Weltkriegs -, die unterschiedlich wahrgenommen wurden. Beide Essays werden hier in einer kommentierten Neuübersetzung publiziert, die an die erstmalige Übersetzung der "Amerika"-Bücher anschließt. "Im Schatten von morgen" (1935) wurde seinerzeit ein Bestseller, geschätzt für seine Hellsichtigkeit und Schärfe. "Ist die Welt weiser geworden?", fragt sich Huizinga und visiert immer wieder wichtige kulturelle Phänomene an, um diese durch den weiten Resonanzraum der Geschichte zu schicken. "Verratene Welt" entstand 1943, als Huizinga - nach Inhaftierung im Geisellager St. Michielsgestel - bereits unter strengen Auflagen in der Nähe von Arnheim lebte, ohne Zugang zur Universität und zu seiner Privatbibliothek.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 31.01.2015

Rezensent Thomas Thiel freut sich, dass Johan Huizingas späte "Kultur- und zeitkritische Schriften" nun in einer kommentierten Neuübersetzung vorliegen. Der Kritiker bewundert die Weitsicht des niederländischen Kunsthistorikers, der in den zwischen 1935 und 1943 verfassten Schriften "Verratene Welt" und "Im Schatten von morgen" den Kulturverfall analysiert und nach Möglichkeiten der Erneuerung sucht (Huizinga starb drei Monat vor Ende des Zweiten Weltkriegs starb, während dessen er lange als Widerstandskämpfer inhaftiert war). Interessiert liest Thiel, eine vollkommen animalische Zivilisation beschreibt, der metaphysische beziehungsweise christliche Werte abhanden gekommen sind. Während dem Kritiker Huizingas Forderung nach einer Rückkehr zu "weltlicher Askese" zwecks Rehabilitierung verbindlicher Werte ein wenig verhalten erscheint, folgt er aufmerksam und anerkennend seinem Vorschlag zur föderativen Neuordnung Europas, der die Europäische Union vorwegnimmt.
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