Gert Theile (Hg.)

Anthropometrie

Vermessung des Menschen von Lavater bis Avatar
Cover: Anthropometrie
Wilhelm Fink Verlag, München 2005
ISBN 9783770538645
Kartoniert, 312 Seiten, 39,90 EUR

Klappentext

Mit 24 schwarz-weiß Abbildungen. Ist von der Vermessungslehre des menschlichen Körpers in anthropologischen Klassifizierungen die Rede, steht immer auch der Zusammenhang von Charakter und Physis zur Debatte: Die Vermessung des Menschen in der Kulturgeschichte impliziert stets aufs neue die alte philosophische Frage, was der Mensch eigentlich sei. Den Nerv des modernen Bewußtseins trifft der Theologe Lavater, dessen Physiognomik gerade ex negativo beweist, daß einfache Beziehungen zwischen Innen und Außen nicht mehr zu erwarten sind, daß Verstehen ein nicht zu hintergehendes Problem ist. Goethe, Lichtenberg und Kant betonen denn auch das Rätselhafte der Oberfläche, den Bruch zwischen Sein und Schein, hinter den das kritische Bewußtsein des Aufklärungszeitalters nicht mehr zurückfallen will.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 22.09.2005

Alexander Kissler findet den von Gert Theile herausgegebenen Sammelband zur "Anthropometrie" nützlich. Denn immer, wenn der Mensch den Menschen vermisst auf der Suche nach dem "Menschen nach Maß", stellt Kissler fest, werde es schlimm. Die Aufsätze in Theiles Band zeigen die Gefahren der Menschenvermessung ebenso deutlich wie die Aporien. Von der Eugenik während des Dritten Reiches bis zur Anatomie genialer Gehirne - immer finden die vermeintlich objektiven Wissenschaftler nur das wieder, was sie hineinsteckten. So führte nach Auskunft der Anthropometriker die Vermischung von Rassen mit der gleichen Zwangsläufigkeit zu kulturellem Niedergang, wie die Struktur der Gehirne von Männern wie Haeckel und Mommsen deren Genialität bedingte. Diese Tautologie transparent zu machen, helfe Theiles Sammelband mit, lobt Kissler; und gerade angesichts der heraufziehenden genmanipulativen Menschenproduktion hält er solche kritischen Zurüstungen für äußerst wertvoll.

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