Die 17 Beiträge des Bandes skizzieren das kulturelle Gesamtbild der 60er Jahre aus einer neuen Perspektive. Kultur erscheint dabei als Motor und Emanzipationsfaktor gesellschaftlicher Teilsysteme und des globalen Wertewandels. Das reicht vom alternativen Theater über die Fotografie als Alltagsmedium und den Bestseller-Roman bis zu den Individualmedien Brief und Telefon, vom Flugblatt als Medium der Protestkultur über Illustrierte, Radio und Kinofilm bis zur Flimmerkiste im kleinbürgerlichen Lebenszusammenhang und zur Schallplatte im Zentrum der Rockkultur. Das schließt auch die Kirchen ein, die Hochkultur und Avantgarde, die Architektur und die Mode, die Werbung und die Sportkultur.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 01.04.2004
Silke Hohmann findet es sehr lobenswert, dass dieser Band zur Kultur der sechziger Jahre nicht nur "ausgetretene Pfade" beschreitet, sondern mit Ausflügen in das Kommunikationswesen, den Buchmarkt oder den Sport die Sechziger auch aus "unerwarteten Perspektiven" betrachtet. In siebzehn Beiträgen widmen sich verschiedene Autoren den unterschiedlichsten Aspekten eines Jahrzehnts, in dem sich neben Minirock und Rolling Stones einiges entwickelt hat, das bis heute Anspruch auf gesellschaftliche und kulturelle Bedeutung hat, wie die Rezensentin betont. Auch wenn sie an manchen Texten einen allzu "seminarhaften Duktus" wahrnimmt, den sie ihrer Entstehung aus einer Ringvorlesung geschuldet sieht, lobt sie den Sammelband insgesamt für das "differenzierte, facettenreiche Bild", das er von den sechziger Jahren zeichnet. Dass das Buch den "Anspruch auf Flächendeckung" nicht ganz einlösen kann, sieht Hohmann ihm nach und hebt stattdessen das "tragfähige, punktuelle Gerüst" hervor, das es für das Verständnis dieser Epoche errichtet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 18.02.2004
Weder pure Nostalgie noch eine reine Darstellung des Zeitgeschehens, sondern ein Blick auf das "kulturelle Gesamtbild" der sechziger Jahre eröffnete sich Sebastian Werr in dem von Werner Faulstich herausgegebenen Sammelband zu Kultur der 60er Jahre. Dabei lasse sich Faulstich von der These leiten, dass die Medien "als Motor des gesellschaftlichen Wandels" fungieren, wie der Band eindrucksvoll anhand des Fernsehens belege, berichtet der Rezensent: Demnach verdankt sich unsere moderne Konsumgesellschaft nicht unwesentlich der "Vertaktung", wenn nicht Gleichschaltung der Nation durch die "Tagesschau".
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