Der Konflikt um das Automobil in der Stadt wird seit jeher ausgetragen. Anfangs überwogen Hoffnungen und Erwartungen an das neue Verkehrsmittel, das ungebundene Mobilität versprach. Man war überzeugt, den Autos müsse Raum geschaffen werden, um sich "austoben" zu können. Doch schon bevor Kraftfahrzeuge massenhaft auf den Straßen ankamen, wurde ein Verkehrselend befürchtet. Um es abzuwenden, forderten Städtebauer, "die uralten, verwinkelten, ungesunden Stadtanlagen mit ihren halsbrecherischen Straßen abzureißen und an ihre Stelle eine moderne Stadt zu setzen." Radikale Entwürfe wurden vorgelegt; mit den Zerstörungen des Zweiten Weltkriegs schien deren Umsetzung endlich in greifbarer Nähe. So verspottete der Berliner Senat Mitte der Fünfzigerjahre Fußgänger als "unverbesserliche Neandertaler", denn "wer ein Ziel hat, soll im Auto sitzen, und wer keines hat, ist ein Spaziergänger und gehört schleunigst in den nächsten Park." Über Jahrzehnte hinweg schien die Lösung der "Verkehrsnot" im Ausbau der Straßen zu bestehen. Erst mit der Einsicht in die Endlichkeit der Ressourcen setzte in den Siebzigerjahren ein Umdenken ein, allerdings ohne nennenswerte Folgen. Zwar ist seit den Neunzigerjahren von einer Verkehrswende die Rede, doch auf der Straße schlägt sich das bis heute kaum nieder. Die libidinöse Beziehung zum Auto, das keineswegs nur als Bedrohung wahrgenommen wird, sondern auch Freiheit verheißt, wird ausgeblendet, oder es wird gar als "mobiles Zuhause" erlebt. Die Autoren erzählen anhand exemplarischer Beispiele aus verschiedenen Städten die facettenreiche und widersprüchliche Geschichte des Automobils im Städtebau von den Anfängen bis heute.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 15.11.2024
Arnold Bartetzky erfährt aus dem von den Architekturhistorikern Jörn Düwel und Niels Gutschow verfassten Band, wie der Autoverkehr sich seit Beginn des 20. Jahrhunderts auf den Städtebau auswirkte. "Fundiert" und mit viel Material setzen ihm die Autoren auseinander, wie sich der urbane Raum unter dem Einfluss der Automanie veränderte und was erdacht wurde, um der Belastung durch den Verkehr entgegenzuwirken. Bartetzky wundert sich nicht über die anfängliche Begeisterung für das Auto, die die Autoren mit Zitaten belegen. Der Kahlschlag des Zweiten Weltkriegs ermöglichte die Unterwerfung der städtischen Planung unter die Herrschaft des Autos, erfährt der Rezensent. Zaghafte Stimmen dagegen wurden zunächst regelrecht niedergebrüllt, so Bartetzky weiter. Dass die schließlich propagierte Verkehrswende nicht vorankommt, scheint mit Wissen um die Entwicklung gar nicht so verwunderlich.
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