Die Wandlungsfähigkeit des Bürgertums überrascht. Im 20. Jahrhundert schien es durch die von ihm erzeugten Katastrophen dem Untergang geweiht. Doch allen Untergangserwartungen zum Trotz dominiert es heute nach den großen gesellschaftlichen Umbrüchen die Weltgesellschaft. Joachim Fischer wirft einen distanzierten soziologischen Blick auf diese enorm wandlungsfähige Klasse darauf, wie sie sich "in Form" hält. Er benennt die Strategie, mit der das Bürgertum in den westlichen Gesellschaften erneut zum Stichwortgeber und Motor der Entwicklung geworden ist: jene Mischung aus Innovationsvermögen, Risikobereitschaft, Individualismus, aber auch Konformismus, Beharrungsvermögen und Rückbesinnung.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.12.2012
Dass der Autor keine Apologie des Bürgertums vorlegt, wie er betont, nimmt Jochen Schimmang ihm nicht ab. Zu punktuell die Ironie in diesem Buch, zu stark sei die Bewunderung des Autors für den fitten Bürger spürbar. Problematisch scheint ihm der Band des Soziologen Joachim Fischer allerdings noch aus anderen Gründen. Der Versuch der Abgrenzung gegen Kollegen, vom Autor mit allzu großer Nonchalance betrieben, gefällt Schimmang nicht, ebenso wenig die sich einschleichenden Unschärfen in Fischers Klassenbegriff. Ein Grund für letzteres liegt für Schimmang in dem Mangel an Aktualität des vorliegenden Bands. Nicht nur, dass er eine bloß überarbeitete Kompilation aus bereits veröffentlichten Essays darstellt, wie Schimmang feststellt, auch die Finanzkrise und ihre Folgen kommen nicht vor, obgleich die meisten der enthaltenen Aufsätze nicht älter sind als zwei Jahre.
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