Jo Lendle

Die Kosmonautin

Roman
Cover: Die Kosmonautin
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), München 2008
ISBN 9783421043436
Broschiert, 192 Seiten, 16,95 EUR

Klappentext

Hella Bruns ist auf dem Weg zum Mond. Ein Abenteuer, möchte man meinen, oder ist es eine Flucht? Ihr Weg führt sie durch die unendliche zentralasiatische Weite, durch Länder, die alles brauchen, aber keine Raumfahrt. Kilometer für Kilometer entfernt sich Hella von einem Leben, das ihr nichts mehr bedeutet, und von der Erinnerung an ihren Sohn, der die Sterne liebte und dessen größter Wunsch es war, dem Weltall ein Stückchen näher zu kommen. Als sie das Kosmodrom erreicht, erscheint die Anlage unwirklich, und die Raketentechnik mutet an wie aus längst vergangener Zeit. Aber die Vorbereitungen laufen, und immer wieder taucht ein Mann auf, der ihr bald nicht mehr aus dem Kopf geht. Es sieht aus, als wolle die Erde Hella nicht so leicht freigeben - ein letztes Mal entfaltet sie ihre Anziehungskraft.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.07.2008

Samuel Moser merkt man in seiner Besprechung von Jo Lendles Romandebüt "Die Kosmonautin" deutlich an, wie beeindruckt er ist. Die Geschichte von Hella, die stellvertretend für ihren, bei einer Demonstration ums Leben gekommenen, 13-jährigen Sohn eine gewonnene Mondreise antritt, zeugt von der faszinierenden "Schreibkunst" des Autors, der fast ohne Metaphern oder elaborierte Sprachbilder auskommt, und dessen Beobachtungsgabe imponiert, wie der Rezensent rühmt. Trotz des an Science Fiction erinnernden Hintergrunds liest sich die Szenerie - der Weg zur Weltraumstation durch das ländliche Ostdeutschland und auch die Station selbst - seltsam "archaisch", geprägt von bäuerlicher Einfachheit und "Menschenfreundlichkeit", stellt Moser überrascht fest, der in diesem Roman die Geschichte eines durch einen schweren Verlust erschütterten Ich und dessen "Selbstvergewisserung" gelesen hat. Und mühelos erzählt er uns mit seinem Roman "mehr als nur diese eine Geschichte" schwärmt der Rezensent, was ihn Lendle zu den wenigen Autoren zählen lässt, die dazu imstande sind.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 20.06.2008

Sehr bezaubert ist Anja Hirsch von diesem Roman. Nicht zuletzt deshalb, weil eigentlich sehr viel hätte schief gehen können bei dieser Geschichte. Sie dreht sich um Hella, eine Mutter, die ihren 13-jährigen Sohn verloren hat, und nun sozusagen in dessen Namen seinen Traum erfüllen will: einen Flug ins All von Baikonur. Der Roman schildert in erster Linie die siebentägige Reise mit dem Autor in Richtung Osten. Erst ganz am Ende geht es dann Richtung Weltraum. Dass diese potenziell "kitschtriefende" Geschichte nicht entgleist, ist, so Hirsch, der "sprachlichen Eleganz" des Autors, seinem Gefühl für stimmige Bilder zu verdanken. So nämlich gelinge es ihm, einen "fast religiösen Meditationsraum entstehen" zu lassen, durch den sich die Heldin und die Leserin traumgleich bewegen.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 15.05.2008

Rezensent Hans-Peter Kunisch ist von diesem Debütroman der 1968 geborenen Jo Lendle ziemlich begeistert, obwohl er anfänglich noch fürchtete "Objekt eines Textplans" zu werden. Im ersten, umfangreichen Kapitel stellt uns die Autorin nämlich eine Protagonistin vor, Hella, die in ihrer Rätselhaftigkeit und Geschichtslosigkeit etwas geradezu Mythisches hat und in eine seltsam zeitferne, geradewegs aus den 1970er Jahren stammende Romanwelt zu führen scheint, erzählt der Rezensent. Dann jedoch wird die Geschichte Hellas nachgereicht, ihr Kleinstadtleben, eine Abtreibung und schließlich der Verlust ihres 13-jährigen Sohns, für den sie einen im Preisausschreiben gewonnenen "Weltraumflug" antreten wird, lesen wir. Kunisch preist die Konzentration der Sprache, mit der die Autorin eine geradezu "magische Atmosphäre" erziele, mit der sie dieser am Ende ins All fliegenden Heldin sehr überzeugend gerecht werde.
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 13.03.2008

Ganz gut findet Rezensent Hubert Winkels diesen Roman von Jo Lendle, der seinen Informationen zufolge im Hauptberuf Programmleiter Belletristik des Kölner Dumont-Verlages ist. Erzählt wird darin, so Winkels, die Geschichte einer Mutter, die an Stelle ihres toten Sohnes eine von ihm gewonnene Reise zum Mond antritt. Und zwar von der in Kasachstan gelegenen russischen Raumstation Baikonur aus. Für Winkels ist diese Reise der Mutter auf der Spur ihres Sohnes eine, im besten Sinn des Wortes, "sentimentale Reise": eine "Reise des intensiven Gefühls", dessen "irdische Gestalt" er in der "unendlichen Steppe Kasachstans" wiederfindet. Was natürlich bedeutet, dass hier nichts sentimental, sondern höchstens tieftraurig ist. Denn Lendle gelingt Winkels zufolge das Kunststück, die äußere Landschaft mit "kafkaesker Genauigkeit" zu beschreiben, um so die Vorstellung einer inneren Landschaft zu vermitteln und damit auch Kasachstan zu jenen Ländern hinzuzufügen, welche die Deutschen mit der Seele suchen. Nur manchmal strahlt die Perfektion dieser Prosa für den Rezensenten etwas leicht Angestrengtes aus. Besonders die Rückblenden findet er nicht immer gelungen.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 12.03.2008

Hella, die Heldin dieses Romans, darf einen Flug zum Mond antreten. Abflug ist aus der russischen Steppe, also begibt sich Hella, die in Deutschland als Orthopädin arbeitet, erst einmal dorthin. Eine ganze Menge Zeit scheint zu vergehen, und manches ("erotische Zuwendung", Erinnerung an die Kindheit) trägt sich zu, bis die Rakete dann die Erde verlässt. Rezensent Roman Luckscheiter leitet seine Kritik mit Überlegungen zu romantischen Reisen nach Innen ein und landet zuletzt auch wieder bei genau diesem Thema. Denn zwar entferne sich die Heldin von der Erde, doch geht es dabei in Wahrheit um eine Therapie: Die Reise zum Mond hatte eigentlich Hellas Sohn gewonnen, der aber bei einer politischen Demonstration starb. Luckscheiter lobt den Autor Jo Lendle für seinen "kurzweiligen Erzählstil" und das "impressionistische Beschreibungstalent".
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