Mae zog noch vor Kurzem als Punk durch die Straßen Wiens, lebte von Dosenbier und den Gesprächen mit ihrer Freundin über Metaphysik und Komplizierteres. Im AidsHilfe-Haus, wo sie eine Strafe wegen Körperverletzung abarbeiten muss, lernt sie Paul kennen und verliebt sich in ihn. Als bei ihm die Krankheit ausbricht, beginnt Mae gegen sein Verschwinden anzukämpfen: Sie sammelt seine Haare und Fußnägel wie Devotionalien und fängt zuletzt die Luft in seinem Krankenzimmer in einem Tupperdöschen ein. Chucks erzählt eine bezaubernde Geschichte vom Aufwachsen zwischen Liebe und Tod und ist von einem Ton durchdrungen, der mal humorvoll, mal aufwieglerisch laut, aber auch überaus zärtlich sein kann.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 11.07.2012
Beachtliches Talent bescheinigt Karl-Markus Gauß der jungen Autorin Cornelia Travnicek, die mit 25 Jahren bereits fünf Bücher veröffentlicht hat, allerdings möchte er sie auch nicht unter Artenschutz stellen. Ihre Geschichte von der jungen Mae, die ihrer kaputten Familie entflieht, um bei den Punks am Wiener Karlsplatz herumzuhängen, dann aber Halt und sich selbst findet, hat ihn mitunter sehr beeindruckt, vor allem durch die poetische, dabei lapidare Sprache. Auch hat Gauß das Buch als überzeugenden "Hymnus an das Leben" gelesen. Womit er gar nicht einverstanden ist, sind jedoch die altklugen Reflexionen, die Travnicek bisweilen in ihre Erzählung einstreut und die Gauß so unglaubwürdig wie überflüssig findet.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 08.05.2012
Mehr Melodie und Contenance und Mut zur Bildlichkeit hätte sich der Rezensent von diesem Debüt gewünscht. Was Cornelia Travnicek in dieser Hinsicht zu bieten hat, steht offenbar in keinem Verhältnis zur Story. Die nämlich überzeugt Björn Hayer durch eine eigentümliche, lebensnahe Strahlkraft. Die Geschichte vom Sinnverlust in Zeiten des Erwachsenwerdens, von Liebe, Verlust und Tod hat die Autorin laut Hayer fein und mit Bemühung um Tiefe konstruiert. Große Einsichten, wie die, dass ein Leben in der Gegenwart ohne die Berücksichtigung der Vergangenheit nicht möglich ist, sind die von Hayer geernteten Früchte der Lektüre.
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