Das Leben von Alexander, einem freiberuflichen Rundfunkautor, läuft aus dem Ruder, und das liegt vor allem an Jelena, seiner Zufallsbekanntschaft von der Schönhauser Allee: Die schöne Russin vertreibt die Einsamkeit aus seinem Leben und erobert sein Herz, ohne dass er das gleich merken würde. Und das, was sie ihm von ihrem Leben in Russland erzählt, macht die Zeit, die er in den 70er-Jahren als Student der Philosophie und Logik in Leningrad verbrachte, wieder lebendig. Die Erinnerungen an sein Leben im internationalen Wohnheim und an die abgründigen Seminare bei seinem Logikdozenten Bergelson führen den Leser in eine untergegangene Welt und in hochaktuelle Fragestellungen. Als Alexander erkennt, dass er schon damals auf der Suche nach der schwarzen Dame war, muss er sich erneut auf den Weg machen, denn Jelena ist plötzlich verschwunden. Zum Glück plant sein Freund Blosse, Unternehmer mit einem Faible für Kultur und mit einer originellen Theorie des produktiven Verlustmachens, eine Geschäftsreise nach St. Petersburg. Als Dolmetscher kehrt Alexander mit ihm an die Orte seiner Vergangenheit zurück und landet in einer fremden und befremdlichen Welt - immer in der Hoffnung, Jelena dort wiederzutreffen.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 10.10.2007
Kurz und deutlich urteilt Rezensent Marius Meller: Das bisher vom Autor gewohnte Niveau wird in diesem Roman "nicht erreicht". Der Rezensent hat zwar viel Gutes über den Text zu sagen, so gefallen ihm insbesondere jene Passagen, die in Leningrad spielen, die gelehrten Gespräche zwischen den Philosophiestudenten und ihrem Mentor und überhaupt die Ausmalung jener "Ausdruckformen des inneren Exils im Ostblock". Aber die in Rückblende erzählte Geschichte will sich, so Meller, nicht gut einfügen in die Liebesgeschichte zwischen Berlin und St. Petersburg. Auch die Männerfreundschaft zwischen Alexander und Blosse hat ihn nicht überzeugt; zu "holzschnitthaft" sei der eine als Gegenspieler des anderen gezeichnet. Die große Hoffnung, dass Jens Sparschuh eines Tages "den großen Zeitroman" schreiben wird, hat Meller deshalb aber nicht aufgegeben.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 25.08.2007
Für Rezensent Jörg Magenau hat das Buch zu wenig zu bieten. Die paar "heiteren" Lektüremomente reichen nicht aus, um ihn die Schwächen des Romans vergessen zu lassen. Vor lauter nebensächlichen Details nämlich gerät Magenau die Geschichte aus dem Blick, da helfen auch die eingeschobenen Erzählerkommentare nichts; auf Magenau wirken sie bloß aufdringlich und "verschmockt" humorig. Auch der für ihn "ergiebigste" mittlere Teil des Buches reißt das nicht raus. Magenaus Urteil bleibt unversöhnlich, weil Jens Sparschuh mit diesem Versuch, die "Grundgesetze der Logik und des Erzählens" aufzuheben, dem Leser keinen Gefallen tut.
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