Jens Gieseke

Mielke-Konzern

Die Geschichte der Stasi 1945-1990
Deutsche Verlags-Anstalt (DVA), Stuttgart/München 2001
ISBN 9783421054814
Gebunden, 289 Seiten, 18,41 EUR

Klappentext

Eine erste knappe Bilanz der ebenso grausigen wie miefigen Welt des DDR-Geheimdienstes, des, im Verhältnis zur Bevölkerungszahl, größten geheimen Sicherheitsapparates der Welt. Jens Gieseke schlägt den Bogen von den Jahren des Hochstalinismus bis zu den Überbleibseln der Stasi im wiedervereinigten Deutschland. Er untersucht die Triebkräfte der Expansion und die Rückwirkungen dieser "Armee hinter den Kulissen" auf Alltagsleben und Staatsgeschäfte.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 15.11.2001

Jens Giesekes "Geschichte der Stasi", bespricht für die "Zeit" der Bürgerrechtler und Historiker Stefan Wolle in einer sehr klugen, sehr nüchternen Rezension, wobei seine eigene Bewertung des MfS mehr Raum einnimmt als die Darstellung der Ergebnisse, zu denen der Mitarbeiter der Gauck-Behörde Gieseke kommt. Das grundsätzliche Problem einer Stasi-Geschichte sieht Wolle darin, dass sie als reine Institutionengeschichte allein für den Fachmann interessant wäre als umfassende Bearbeitung des Sujets aber zwangsläufig eine Geschichte der DDR werden müsste: Gieseke schafft nach Wolles hartem Urteil gerade einmal "eine ordentliche Zusammenfassung des vorliegenden Materials". "Doch wie Mehltau legt sich der Geist der Behördenforschung auf den Text", ätzt Stefan Wolle. Seiner Meinung nach hätte man aus dem Stoff eine ganze andere Geschichte schreiben können: "Die Stasi-Akten sind eine Fundgrube für die Kulturgeschichte dieses Prozesses (der Züchtung des Untertanengeist und des Kadavergehorsams - PT), ein Steinbruch für die Forschung, ein Menetekel für die Ohnmacht scheinbar allwissender Überwachungsapparate - aber auch ein Denkmal für die Unbesiegbarkeit von Eigensinn, Verweigerung und Widerstand."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 05.11.2001

Kenntnisreich und ausführlich bespricht Manfred Wilke diese Studie, die sich mit der Geschichte der Stasi beschäftigt. Alles in allem ist er zufrieden mit den Ausführungen des Autors. Er bescheinigt ihm, aus dem Blickwinkel der "DDR-Alltagsgeschichte" ein in "verständlicher Sprache" geschriebenes Buch vorgelegt zu haben, das er zudem auch als "übersichtlich gegliedert" lobt. Während er den sozialgeschichtlichen Ansatz Giesekes positiv bewertet, kritisiert er jedoch, dass die "politischen Gründe" für den enormen Aufstieg der Stasi "zu kurz" kommen, und er bedauert, dass "weitgehend offen bleibt", wie sich die Parteisekretäre das MfS zu nutze machten. Außerdem vermisst er neben der Nennung von Wolfgang Schnur, der 1990 als IM enttarnt wurde, andere prominente Namen wie Gysi und Stolpe, denen ebenfalls Stasi-Tätigkeiten nachgewiesen worden seien.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.10.2001

Für Günther Heydemann war es höchste Zeit, dass Rolle, Funktion und Wesen der Stasi noch einmal genau unter die Lupe genommen werden: Nach mehr als zehn Jahren Wiedervereinigung sei die Erinnerung an den "Mielke-Konzern" im Osten relativiert, gar beschönigt worden. "In der DDR gab es wenigstens Arbeit" - da werde die "Allgewalt des MfS (Ministerium für Staatssicherheit)" schon einmal verdrängt. Jens Gieseke untersuche in seiner Studie Gründung, Aufbau und schließlich die Auflösung der Stasi: Anfangs nach dem Vorbild des sowjetischen Sicherheitsdienstes installiert, entwuchs die Stasi zu einer "kaum noch überschaubaren Sicherheitsbürokratie". Auf einen Stasi-Angehöriger kamen 180 DDR-Bürger - dies beweise letztlich die schlechte Verankerung des DDR-Regimes in der Bevölkerung, notiert Heydemann als Kernthese Gisekes. Auch werbe der Autor darum, häufiger zum "erkenntnisfördernden Vergleich" von NS-Diktatur und DDR-Regiment zu greifen. Die Organisationsstrukturen seien in beiden "Diktaturen" sehr ähnlich. Heydemann nennt das vorliegende Buch "in jeder Beziehung ein(en) Wurf".
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