Jean Rouaud

Schreiben heißt, jedes Wort zum Klingen bringen

Ein Credo
Cover: Schreiben heißt, jedes Wort zum Klingen bringen
SchirmerGraf Verlag, München 2004
ISBN 9783865550125
Gebunden, 168 Seiten, 17,80 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Elsbeth Ranke. Die Kunst, Einblick in die Werkstatt der eigenen schriftstellerischen Kreativität zu gewähren, ist eine Seltenheit. Jean Rouaud, Goncourt-Preisträger, der mit seinem Romanzyklus um seine Familiengeschichte aus der französischen Provinz berühmt wurde, beherrscht sie.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 02.02.2005

Der französische Romancier Jean Rouaud hält es wie Kleist, den Rezensent Milo Rau gleich mehrfach zitiert: er verfertigt seine Gedanken beim Reden, er entwickelt seine Romane beim Schreiben, er unterwirft sich dieser "seltsamen Zufallsbewegung zwischen Gedanken und Wörtern", an deren Ende die Offenbarung einer verborgenen Idee steht. Wer glaube, in diesem Essayband viel über Rouauds eigene Schreibwerkstatt zu erfahren, sehe sich dennoch getäuscht, warnt Rau, denn Rouaud bleibe seinem assoziativen Verfahren treu und verfolge die aberwitzigsten Themen, die zwar alle mit Literatur zu tun hätten, aber eben nicht mit seinen eigenen Romanen. In den Kurzessays, die alle für die französische Zeitschrift "L'Humanite" entstanden sind, geht es um den Ritterroman, Fotografie, Flaubert, frühchristliche Märtyrer oder Louis Quatorze; es ist ein unterhaltsames Buch, verspricht Rau, und anders als Kleist, der lange an seinen Sätzen gefeilt habe, wirke Rouaud wie ein lockerer Plauderer, der gar nicht daran denke, sich "das Büßerhemd der Theorie überzustreifen".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.12.2004

Abgesehen vom Titel hat man es bei Elisabeth Rankes Übertragung von Jean Rouauds Abhandlung durchaus mit einer "brillanten Übersetzung" zu tun, betont Friedmar Apel. Die allerdings hätte im Deutschen lieber "Die Entfleischlichung" heißen sollen, um nicht den irreführenden Eindruck einer "schöngeistigen Poetikvorlesung" zu geben, so der Rezensent weiter, der sich von dem "luziden Gedankenspiel" des französischen Autors über das Wesen der Literatur sehr eingenommen zeigt. Offensichtlich habe Rouaud aller "postmodernen Literaturtheorien" zum Trotz auch keinerlei Scheu, der Sprache Sinnhaftigkeit und Bedeutung zuzusprechen, so Apel. Für den Autor hat Literatur die Aufgabe, das "Sichtbare" darzustellen, und er unternimmt es, ihm die "nicht selten komische Würde oder gar eine säkulare Heiligkeit beizumessen", die dem Sichtbaren als "Chimäre" insbesondere in der christlichen Tradition häufig abgesprochen wird, erklärt der begeisterte Rezensent.
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Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 25.10.2004

"Geht denn die Literatur unter, wenn das Pferd verendet?", fragt der Rezensent Joseph Hanimann mit einem augenzwinkernden Verweis auf den ritterlichen Ursprung des Romans. Ebendiesem ungewissen Schicksal des Romans widme sich der Schriftsteller Jean Rouaud in einer kunstvoll komponierten Reihe von Fragmenten, die zusammen "eine Art Privatpoetik" bilden. Dabei diene "das schnelle Aufgreifen und Fallenlassen der Assoziationen" als Formprinzip. In der Tat greife Rouaud das abschließende Stichwort eines jeden Fragments auf und mache es zum Titel des folgenden Fragments. Aus dieser "federnden Gedankenfolge" ergibt sich laut Rezensent ein "subtil in sich hineingesprochenes Parlando", das Elsbeth Ranke wunderbar aus dem Französischen übertragen hat und dafür zu Recht mit dem Andre-Gide-Preis ausgezeichnet wurde.
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