Marcus Braun

Nadiana

Roman
Cover: Nadiana
Berlin Verlag, Berlin 2000
ISBN 9783827003560
Gebunden, 173 Seiten, 15,24 EUR

Klappentext

Nadiana liebt Rosenbaum. Dieser beobachtet im Zug von Paris nach Berlin die scheinbar zufällige Berührung zwischen Stroheim und Nadiana. Ihm wird zur Gewißheit: Die beiden sind ein Liebespaar. Marcus Braun entwickelt aus dieser Begegnung eine Enzyklopädie der Eifersucht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 12.09.2000

Wenig hat dieser Roman mit den "Fetzigkeiten" der gegenwärtigen deutschen Literatur zu tun, betont der Rezensent Andreas Nentwich. Ein labyrinthisches "Verwirrspiel" sei er, und wenn man den Versuchen Nentwichs folgt, den Plot nachzuzeichnen, kann man nur zustimmen. Die Personen werden sich im Erzählen offensichtlich selbst fiktiv, Projektionen der jeweils anderen. Alles, so der Rezensent, fügt sich zu einer "Textur der Selbstaufhebungen". Hochreflexiv sei das ganze und äußerst anspielungsreich, zwischen, um nur ein paar Assoziationen Nentwichs zu zitieren, "Poésie pure" und "Nouveau Roman", zwischen Nabokov und Roadmovie. Unüberhörbar der Respekt für den artifiziellen Ansatz, zuletzt aber wird doch die Begrenztheit aufs Nur-Virtuose konstatiert. Es fehlt, so Nentwich kurz und deutlich, der "Lebenshauch", der Roman bleibt für ihn eine "Kopfgeburt".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 17.04.2000

Kristina Maidt-Zinke gibt zwar deutlich zu verstehen, dass sie Marcus Braun für einen äußerst vielversprechenden Autor hält, dennoch findet sie, dass er das Stadium von "Nadiana" doch durch seinen später verfassten, aber eher erschienenen Roman "Delhi" bereits längst hinter sich gelassen hat. Zwar merkt man auch bei "Nadiana", wie sie findet, welch kluger Kopf sich hinter dem Autorennamen verbirgt, der nicht nur mit "mathematisch kalkulierendem Formwillen und heiligem Ernst" eine Auflösung von Zeit, Raum, Ort und sogar Figuren betreibe. Allerdings scheint die Rezensentin dabei eine Brücke zur Handlung und Brauns zentralem Thema, der Eifersucht, zu vermissen. Ein wenig "hirnlastig" erscheint ihr der Roman, den sie offensichtlich nur ungern besprochen hat - weil der Autor, wie sie findet, eigentlich zu Besserem imstande ist.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 15.04.2000

Maike Albarth lobt zunächst die Erzählkunst des Autors: die von Braun immer wieder sabotierte chronologische Abfolge von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft beschere dem Leser ein ähnliches Delirium, wie es der dem Alkohol übermäßig zugeneigte Protagonist Rosenbaum selbst erlebt. Da käme man wohl reichlich ins Schwimmen, wenn Braun nicht als eine Art Leitseil eine Krimihandlung eingefügt hätte, meint die Rezensentin. Missfallen hat ihr, dass sich der Autor zu sehr mit Oberflächen begnügt. Die Gefühle der Figuren erscheinen Albarth nicht überzeugend genug dargestellt, so dass sie sich gar an eine "elegant protokollierte Versuchsanordnung" erinnert fühlt. Schön könne Braun zwar durchaus schreiben, aber es mangelt, wie sie findet, dem Roman an Zugkraft. "Wozu, wozu" das alles, fragt sich die Rezensentin.