Jean-Henri Fabre

Erinnerungen eines Insektenforschers

Band 10
Cover: Erinnerungen eines Insektenforschers
Matthes und Seitz, Berlin 2020
ISBN 9783882216806
Gebunden, 400 Seiten, 36,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Friedrich Koch und Ulrich Kunzmann. Mit Illustrationen von Christian Thanhäuser und einem Nachwort von Jean-Christophe Bailly. Vielleicht hat kein Werk des 20. Jahrhunderts einen so überraschenden und radikalen Perspektivwechsel bei seinen Lesern bewirkt wie dieses zehnbändige Monumentalwerk eines französischen Entomologen, der anstatt von gesellschaftlichen Dramen vom Heiligen Pillendreher oder der Gelbflügeligen Grabwespe erzählt. Erstmals richteten die Literaten der Großstädte ihre Blicke nach unten, auf die Grashalme, Erdbrocken und Sandhügel ihrer Umgebung, und erblickten eine völlig neue, fremde Welt: Eigentümlich anmutende Wesen mit sechs, acht oder gar sechshundertachzig Beinen bevölkern sie, leben in Stöcken, Haufen und Nestern, bilden Karawanen, Kasten und ganze Staaten. Krabbelnd, hüpfend, kriechend oder fliegend gehen sie eifrig ihrem Tagewerk nach, manche perfekt getarnt, andere in leuchtender Garderobe oder anmutig schillerndem Schwarz; sie paaren, fressen und bekriegen sich, verpuppen sich und erstehen in neuer Pracht wieder auf. Das Leben in verkleinertem Maßstab, aufgezeichnet mit wissenschaftlicher Genauigkeit, unvermutetem Witz und poetischer Hingabe - nun endlich vollständig auf Deutsch.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 22.07.2020

Rezensent Tobias Schwartz liest den erstmals ganz auf Deutsch vorliegenden Jean-Henri Fabre mit Begeisterung. Was der unkonventionelle Entomologe, der auf Taxonomie pfiff, dafür aber "hochpoetisch" erzählen konnte über Kannibalen, Blutsauger und Verwandlungskünstler, in seinen 1879 bis 1907 erschienenen Erinnerungen festhält, gemahnt Schwartz an den dramatischen Artenschwund, fasziniert ihn aber auch durch lebendige Beobachtungen, homerische Erzählgabe und eine kenntnisreiche Jagd nach einer Antwort auf die Frage nach der Wahrheit und dem Wissensdrang des Menschen.

Rezensionsnotiz zu Deutschlandfunk, 04.07.2020

Aus Anlass der Komplettierung der Werkausgabe von Fabres "Erinnerungen" stellt Rezensentin Astrid Nettling einige Käfer vor, denen dieser zehnte Band gewidmet ist, darunter einen mit "Familiensinn", den anderen als "Schlächter" - und überhaupt seien die Insekten, wie immer bei Fabre, den Menschen ähnlich, sei die "Moral" als Kategorie der Beschreibung nie fern. Vor allem aber widmet sich die Kritikerin dem Gesamtprojekt des Verlages, das mit diesem Band seinen Abschluss gefunden hat. Sie lässt dabei insbesondere die Lektorin Meike Rötzer ausführlich berichten von Zustandekommen und Durchführung und von der Lektorin Heide Lipecki, die eigentlich den "Fabreschen Ton erfunden" habe, zumindest in seiner deutschen Übersetzung. Im Laufe der insgesamt zehn Jahre andauernden Herausgabe sei ihr, der Lektorin, klargeworden, so gibt es die faszinierte Rezensentin wieder, dass die Bände das "Archiv einer vergangenen Welt" darstellten.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 12.06.2020

Rezensent Tobias Lehmkuhl kommt auf den Geschmack der Larve des Mulmbocks mit dem zehnten und letzten Band der Erinnerungen der großen Jean-Henri-Fabre-Ausgabe. Welcher Käfer nach Braten schmeckt und wie man am besten an Proteine kommt, lernt der Kritiker hier ebenso wie er von Fabres Kindheitserinnerungen und ersten Erfahrungen mit der Industriechemie liest. Eine exzellente Übersetzung und die lebendigen Zeichnungen von Christian Thanhäuser machen das Leseglück des Rezensenten perfekt.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 29.05.2020

Rezensent Paul Jandl liest begeistert in Jean-Henri Fabre monumentalen Erinnerungen. Der zehnte Band schließt laut Jandl ein Werk ab, das den Leser mit sprachlicher Finesse in die Welt im Kleinen entführt, wo sich Dramen und Zärtlichkeiten abspielen, die man nicht für möglich hält. Was Stier- und Goldlaufkäfer so treiben und wie sich das im Verhältnis zum Menschen ausnimmt, vermittelt Fabre laut Rezensent mit allumfassender Neugier, Kenntnis und Sprachmacht. Die Schönheit der Beschreibungen des Entomologen scheint Jandl berauschend. Große Literatur, wenngleich nicht durchweg von anhaltender naturwissenschaftlicher Gültigkeit, meint er.

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