Mit Fotos von Raymond Depardon. Jean Hatzfeld hat 14 Überlebende der Massaker im April/Mai 1994 in Ruanda interviewt. Die Berichte geben tiefe Einblicke in die Traumatisierungen und die Bewältigungsstrategien der Überlebenden. Zusammen mit den informativen Berichten Jean Hatzfelds über die politischen und gesellschaftlichen Hintergründe zeichnet dieses Buch ein eindringliches Bild des Völkermordes, der bis heute nicht aufgearbeitet ist.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 23.08.2004
Rezensent Gaspard Ngarambe lobt, Jean Hatzfeld biete in diesem Buch "einen außergewöhnlichen Einblick" in den Ablauf der Verbrechen, denen 1994 in Ruanda ein großer Teil der Tutsi-Bevölkerung zum Opfer fiel. Denn hier stehe nicht die Geschichte des Genozids im Mittelpunkt, sondern der Überlebenskampf der Tutsi während des Völkermordes und in der Zeit danach: "persönliche Erlebnisse der Überlebenden, ihre Erfahrungen und erklärenden Überlegungen". Das Buch stützt sich auf Interviews mit Überlebenden, erfährt man, die der Autor besucht und im täglichen Leben begleitet hat. Trotz der Komplexität der Geschehnisse und des unvorstellbaren Grauens, lobt Ngarambe, finde Hatzfeld "die richtige Sprache und Methode". Das Buch biete darum auch nicht nur ein Zeugnis des Völkermords in Ruanda, sondern durchaus auch "ein detailliertes Bild" der Geschehnisse. Das größte Verdienst des Buches liegt für den Rezensenten aber darin, dass Hatzfeld den Leser "die Grausamkeit des Genozids hautnah erleben und das Leiden der Menschen durch Mitmenschen wahrnehmen lässt".
Dominic Johnson ist beeindruckt von diesem Buch, für das Jean Hatzfeld insgesamt vierzehn Berichte von Überlebenden des Völkermords an den Tutsi gesammelt hat. Für ihn macht das Buch verständlich, warum es für die Betroffenen so schwer ist, ihre Erlebnisse überhaupt mitzuteilen. Für das, was sie erlebt haben, "gibt es keinen gemeinsamen Erfahrungshorizont mit anderen mehr". Deshalb ist auch jedes dieser Zeugnisse einzigartig. Ihre Gemeinsamkeit sieht Johnson vor allem darin, dass sich "das Morden quälend lange hinzog" und ein Ende nicht in Sicht war - obwohl immer die Rede vom "schnellsten Genozid der Weltgeschichte" ist, wenn von Ruanda gesprochen wird.
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