Mit Tom Zoellner. Das zentralafrikanische Land Ruanda ist im Jahr 1994 Schauplatz eines Völkermords, dessen Dimensionen sich kaum in Worte fassen lassen. Innerhalb von nur 100 Tagen ermorden marodierende Trupps der Hutu-Mehrheit fast eine Million Angehörige der Tutsi-Minderheit. Die internationale Staatengemeinschaft sieht tatenlos zu. Während der Mob mit Macheten bewaffnet durch die Hauptstadt Kigali zieht, gelingt es Paul Rusesabagina, dem Direktor des Ausländerhotels Mille Collines, mit einer atemberaubenden Mischung aus Diplomatie, Schmeichelei, Täuschung und unglaublicher Chuzpe, über 1200 Tutsis und gemäßigten Hutus in seinem Hotel Zuflucht zu bieten und so das Leben zu retten. Nicht umsonst nennt man ihn wegen seines mutigen und selbstlosen Verhaltens den "Oskar Schindler Afrikas". In seiner Autobiografie erzählt Rusesabagina, das reale Vorbild für die Hauptfigur des Films Hotel Ruanda, seine bewegende Geschichte mit eigenen Worten. Er berichtet von seinem Leben vor und nach den schicksalhaften Ereignissen, liefert bislang unbekannte Details des Geschehens selbst - etwa über die unrühmliche Rolle einiger Soldaten der UN-Friedenstruppe - und zieht Parallelen zu anderen Völkermorden in der Geschichte.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 24.05.2006
Außergewöhnlich sind für Rezensent Alexander Jürgs nicht nur die absurden Small-Talks bei einem Kognak mit ruandischen Militärs, von denen Paul Rusesabagina berichtet, außergewöhnlich sei auch seine schlichte aber umso klarere Darstellung, wie die Politik von der UNO bis zur amerikanischen oder französischen Regierung versagt habe. Unter Bill Clinton habe es beispielsweise eine Art Sprachverbot für das Wort "Völkermord" gegeben, weil dies eine Intervention quasi erzwungen hätte. Der Autor liefere darüber hinaus eine genaue Schilderung der Ereignisse und Verhandlungen im Milles Collines, das als "Hotel Ruanda" allgemein bekannt geworden ist. Rusesabagina, gibt der Rezensent einen kurzen Lagebericht, hatte als Hoteldirektor und dank guter Beziehungen 1268 Tutsi und Hutu in seinem Luxushotel vor der Ermordung retten können. Dass sein Bericht darüber hinaus auch ein "Meisterstück" an spannender Reportage darstelle, sei, mutmaßt der Rezensent, wahrscheinlich auch der Mithilfe des New Yorker Journalisten Tom Zoellner zu verdanken.
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