Souad Belhaddad, Esther Mujawayo

Ein Leben mehr

Cover: Ein Leben mehr
Peter Hammer Verlag, Wuppertal 2005
ISBN 9783779500292
Kartoniert, 337 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Französischen von Jutta Himmelreich. Es kam ein Moment, in dem ich mir sagte: ,Wenn du überleben willst, Esther, musst du dich dem widmen, was dir geblieben ist, und nicht dem, was du verloren hast. Mit 50 Frauen, Witwen wie sie, gründete Esther Mujawayo die Hilfsorganisation Avega für die Opfer des Genozids. Inzwischen zählt Avega 35.000 Mitglieder. Viele von ihnen sind nach Vergewaltigungen mit Aids infiziert und bedürfen besonderer Unterstützung. Weil der Bedarf an psychotherapeutischer Hilfe in Ruanda immens war, ließ sich Esther zur Therapeutin ausbilden. Und anders als ausländische Therapeuten verstand sie als Frau, die den Völkermord selbst erlebt hatte, auch das, was die Opfer nicht aussprachen.Vor fünf Jahren kam Esther mit ihrem neuen Ehemann nach Deutschland. Inzwischen therapiert sie hier traumatisierte Flüchtlinge vor allem afrikanische Frauen und Kinder und kämpft mit allen Kräften gegen das Vergessen der Ereignisse in ihrer Heimat.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.07.2005

Renate Wiggershaus hat aufgehorcht bei diesem Buch, das auf Gesprächen der algerischen Journalistin Souad Belhaddad mit der Ruanderin Esther Mujawayo basiert. Mujawayo hat den Völkermord 1994 überlebt und arbeitet mittlerweile als Traumatherapeutin in Deutschland. Auf eine "kunstvolle" Art vereinigt das Buch verschiedene Ebenen, wie die Rezensentin informiert: die Lebensgeschichte Mujawayos, die Schilderung des kulturellen Umfelds, den persönlichen Bericht über den Genozid und das Protokoll ihrer Erfahrungen als Therapeutin. In ihrer "sensiblen und reflektierten Radikalität" schaffe es Mujawayo, die Traumata der Überlebenden zu schildern, ohne dass der Leser überfordert wird und das Buch erschöpft beiseite legt. Dass diese schwierige Balance durchweg eingehalten werden kann, dafür sorge schließlich auch die "vorzügliche Übersetzung" von Jutta Himmelreich.

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.05.2005

Sehr beeindruckt berichtet Andreas Eckert von diesem Buch, in dem Esther Mujawayo, eine Überlebende des Völkermord in Ruanda, davon berichtet, was ihr widerfahren ist und wie sie damit zurechtgekommen ist. Mujawayo hat in dem Morden ihren Mann und viele Familienangehörige verloren. Zusammen mit anderen Frauen gründete bald darauf die Selbsthilfeorganisation "Verein der Witwen des Genozids" gegründet und ließ sich zur Psychotherapeutin ausbilden, informiert uns Eckert. Ihre Gespräche aus dieser Arbeit haben ebenfalls Eingang in dieses Buch gefunden; furchtbare Schicksale tun sich da auf, wie der Rezensent mit aufrichtigem Bedauern feststellt, von Frauen, die nach einer Vergewaltigung nur deshalb nicht sofort getötet wurden, weil man sie lieber am HIV-Virus sterben lassen wollten, mit denen sie infiziert wurden. Dieses Buch lasse niemanden indifferent, meint der Rezensent und wünscht ihm eine große Leserschaft.
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