Alison Des Forges

Kein Zeuge darf überleben

Der Genozid in Ruanda
Cover: Kein Zeuge darf überleben
Hamburger Edition, Hamburg 2002
ISBN 9783930908806
Gebunden, 947 Seiten, 40,00 EUR

Klappentext

Aus dem Amerikanischen von Jürgen Bauer, Fee Engemann, Renate Hardt, Edith Nerke, Carmen von Samson-Himmelstjerna und Gisela Schwarz. Über eine halbe Million Menschen wurden 1994 während des Völkermordes in Ruanda getötet. Obwohl die Täter ausschließlich zu den Hutu und die Opfer zum weitaus größten Teil zu den Tutsi zählten, waren nicht ethnische Spannungen zwischen den beiden Volksgruppen das Motiv: Eine kleine, privilegierte Gruppe in Kigali fürchtete ihre Entmachtung und inszenierte den Massenmord. Auch die von Anfang an gut informierte internationale Gemeinschaft, die den Massakern untätig zusah, trägt eine Mitverantwortung an dem Genozid. Das vorliegende Buch stützt sich auf Interviews mit Überlebenden wie mit Tätern, mit Menschen, die andere gerettet oder es zumindest versucht haben sowie mit jenen, die wegschauten. Protokolle örtlicher Zusammenkünfte, der Schriftverkehr zwischen Verwaltungsbeamten sowie die Analyse dessen, was in Radiosendungen oder bei Versammlungen gesagt oder verschwiegen wurde, geben ein detailliertes Bild der Ereignisse von 1994.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 27.08.2003

Friederike Bauer bewertet diese Dokumentation als "einen wichtigen Beitrag zur Aufklärung des für Ruanda so folgenschweren Frühjahrs 1994", des Mordes an mehreren hunderttausend Tutsi und oppositionellen Hutu. Besonderes Augenmerk legt die Autorin dabei auf die detaillierte Darstellung der internationalen Kulisse, vor der sich die Vorbereitung und Durchführung des Völkermordes abspielte, detailliert besprochen. Die verschiedenen Interessen der USA, der UN, Frankreichs und Belgiens werden im Lichte der "etlichen Warnungen", die "ohne Reaktion blieben", ausführlich dargestellt, womit die Rezensentin ganz zufrieden zu sein scheint. Auch folgt sie der Schlussfolgerung Des Forges', dass nämlich das Verhalten der internationalen Gemeinschaft als "Weigerung" anzusehen sei, "das Wort Völkermord auszusprechen".
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Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 12.12.2002

Der Rezensent Bartholomäus Grill ist gleichzeitig zutiefst entsetzt und zutiefst beeindruckt von Alison Des Forges Studie über den Völkermord in Ruanda. Des Forges, eine der "renommiertesten Afrikanisten unserer Tage", lege nach fünfjähriger Recherche-Arbeit die "Ergebnisse ihres Ermittlungsprojekts" vor, die zunächst unscheinbar daherkämen, sich aber als "eine monumentale Anklageschrift" entpuppten. "Angeklagt", so der Rezensent, "sind das Regime der Schlächter in Ruanda, die Vereinten Nationen, die Regierungen in Brüssel, Paris und Washington." Grill erinnert an "die Krankheit des Tötens", von der damals in der Presse zu lesen war und erklärt, dass Des Forges genau das Gegenteil belegt von dem, was man sich in eurozentristischer Überlegenheit als afrikanische Epidemie vorgestellt hat. Hier habe es sich um einen perfekt organisierten "Genozid" gehandelt, dessen "mörderische Besessenheit und kaltblütige Perfektion" die der "Organisatoren des Holocausts" gewesen sei: "Es war", schreibt Grill, "als seien die Nazis im Zentrum Afrikas auferstanden". Der Übergriff der "Hutu-Diktatur" auf die Minderheit der Tutsi und zugleich auf "die demokratische Opposition innerhalb der eigenen Ethnie" sei nicht nur das ausagierte "Klischee" einer vom Kolonialismus importierten "Stammeslehre", die Des Forges laut Grill "brillant" entlarve, sondern hätte, wie Des Forges beweise, verhindert werden können. Dies sei die "bitterste Erkenntnis dieser Untersuchung", der für Grill "ein Platz neben Hilberg" gebührt, "in der Reihe der bedeutendsten historischen Lehrbücher über die Verbrechen des 20. Jahrhunderts".

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 09.12.2002

1994 hat die Hutu-Elite einen Massenmord an der Tutsi-Minderheit organisiert bei dem in 13 Wochen mindestens eine halbe Million Menschen umgekommen sind. In seinem Buch hat Alison Des Forges die Massaker, aber auch die Hintergründe sehr detailliert aufgelistet, findet die Rezensentin Angela Gutzeit. Zwar sei die Lektüre "anstrengend und deprimierend" gewesen, doch sie lobt das Buch als "anschauliches Lehrstück", weil "es uns Einiges darüber lehrt, wie Völkermord entsteht und wie er beispielsweise mit modernen Kommunikationsmitteln beschleunigt und perfektioniert werden kann". Das Buch zeige, dass der Massenmord in Ruanda kein "plötzlicher Ausbruch" einer "Stammesfehde afrikanischer Wilder" gewesen sei, sondern ein bewusst getroffene Entscheidung der Elite, die damit die eigene Macht sichern wollte. Mit den Informationen, die ein internationales Team von Historikern, Politikwissenschaftlern und Rechtsanwälten zusammengetragen hat, konzentriere sich der Autor in seiner "stets nüchtern-analytischen Schreibweise" auf zwei Perspektiven: Zum einen den Völkermord aus der Interessenperspektive der ruandischen (Hutu-) Machtelite, zum anderen die Perspektive der internationalen Entscheidungsträgern, "die das Töten nicht verhindern wollten".
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