Javier Salinas

E

Roman
Cover: E
Ammann Verlag, Zürich 2006
ISBN 9783250600978
Gebunden, 276 Seiten, 19,90 EUR

Klappentext

Aus dem Spanischen von Lisa Grüneisen. Wer ist E? Wenn er das nur selbst wüsste. Vielleicht würde es helfen, wenn er etwas mehr über seine Herkunft erfahren könnte. Aber seine Mutter kann sich noch nicht mal mehr an seinen Vater erinnern. Als junge Frau hat sie eine Reise quer durch Europa gemacht und ist dabei durch 43 Länder gekommen. Irgendwo unterwegs muß sie seinem Vater begegnet sein. Aber wann und wo? Womöglich hat er ja gar keinen Vater, so wie... da gab es doch mal einen Sohn ohne Vater... egal. E, dessen Identität auf einen einzigen Großbuchstaben zusammengeschnurrt ist, besitzt die Freiheit, aber auch die Qual, sich seine eigene Lebensgeschichte zu erfinden. In einem Monolog imaginiert er sich in den verschiedensten Berufen, zu unterschiedlichen Zeiten, in allerlei Ländern: ob als russischer Komponist, als österreichischer Soldat, nur knapp der Schlacht bei Verdun entronnen, als Alkoholiker in Budapest oder als Hundebesitzer in einer schwedischen Badewanne. Alle Krisenherde des 20. Jahrhunderts (Krieg, Totalitarismus und Einsamkeit) scheint er gestreift zu haben, aber vielleicht ist er auch nur ein armer Irrer, der sich das alles in seiner schizophrenen Phantasie bloß vorstellt und eigentlich irgendwo in der Anstalt sitzt und dringend seine Pillen braucht.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 24.05.2006

Kersten Knipp zeigt sich angetan davon, wie Javier Salinas in seinem neuen Roman die europäische Seele mit all ihren Ticks und Neurosen seziert. Seiner Meinung lässt sich "E" auch als Hinweis auf das Freudsche "Es", lesen. Erstaunlich sei es deshalb nicht, dass Salinas Figuren den Großteil ihrer Zeit damit verbringen sich Selbsttäuschungen hinzugeben. Schließlich könne man in der Welt, die uns umgibt, eigentlich nur so Sinn stiften. Ob Knipp allerdings an der Umsetzung des Romans so viel Freude hat wie an der Idee, die dahinter steckt, bleibt offen. Schließlich besteht das den ganzen Roman ausfüllende Selbstgespräch von Salinas Protagonisten aus Versatzstücken der modernen Obsession mit der eigenen Identität , und die Akteure sind laut Knipp "Gefangene von Phrasendreschmaschinen". Dieser Ansatz verspricht nicht unbedingt eine unterhaltsame Lektüre.

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