In der Regel sieht man nur die Spuren ihrer Arbeit. Oder eben: keine Spuren. Schließlich haben Reinigungskräfte über Nacht die Kaffeeränder vom Schreibtisch gewischt. Sie verrichten anstrengende Tätigkeiten, erhalten aber wenig Anerkennung und werden oft schlecht bezahlt. Jana Costas hat sich einem Reinigungsteam am Potsdamer Platz angeschlossen. Unter dem glitzernden Komplex liegt der Minus-Bereich: vier Stockwerke mit labyrinthischen Gängen und fensterlosen Räumen. Dort ziehen sich Alex, Ali, Luisa und Marcel um, bevor sie Büros und Luxusapartments putzen. Jenseits aller Klischees ist diese Arbeit für sie auch eine Quelle des Stolzes. Costas schildert ihre Kämpfe um Würde, porträtiert eine expandierende Branche und holt so die oft unsichtbaren Beschäftigten in die Sichtbarkeit.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.06.2023
Mit "akribischer Beobachtunsgabe" begleitet die an der Viadrina in Frankfurt/Oder lehrende Professorin Jana Costas Reinigungskräfte in ihrem Arbeitsalltag, lobt Rezensentin Livia Lergenmüller. Dabei gelinge es der Autorin, ein Bild der Hierarchien und Diskriminierung unter den Reinigungskräften, der mangelnden gesamtgesellschaftliche Wertschätzung wie auch der Abhängigkeit von ausbeuterischen Arbeitgebern zu zeichnen. Costas liefert "ein detailliertes Branchenporträt" inklusive der dazugehörigen statistischen Daten, versichert die Kritikerin. Allerdings bleibt eine Handlungsaufforderung am Ende des Buches aus, bedauert die Rezensentin, die auch eine Darstellung der ökonomischen Ungleichheit vermisst, die das von Costa beschriebene System erst ermöglicht.
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