Noch immer fehlt es an einer umfassenden Darstellung der Rechtstheorie im Nationalsozialismus und in der DDR. Jan Schröder legt nun die erste vergleichende Untersuchung der Methodenlehren vor. Sie offenbart überraschende gemeinsame Wesenszüge. Maßgeblich waren einerseits der Wille des Führers bzw. der Partei, andererseits die völkisch-rassistische bzw. sozialistisch-kommunistische Weltanschauung. So ergeben sich in beiden Systemen ständig Konflikte zwischen autoritärem und ideologischem Prinzip, aber auch inhaltliche Übereinstimmungen wie die Geringschätzung des Gewohnheitsrechts und des Richterrechts, die ideologische Auslegung, die Anwendung der dialektischen Logik u.a. In Abgrenzung zur "bürgerlichen" Doktrin tritt das deutliche Profil einer diktatorisch-ideologischen Rechtstheorie hervor.
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.12.2016
Milos Vec empfiehlt das Buch des Rechtshistorikers Jan Schröder als "sehr deutsches" Sachbuch mit fortdauernder transnationaler Relevanz. Nicht nur potenziell aktuelle Bezüge entdeckt er im Buch, vor allem Schröders genauer Blick in die Geschichte der methodischen Aushöhlung von Recht und Rechtswissenschaft in der NS-Zeit und in der DDR fasziniert den Rezensenten und stößt ihn auch ab, da er erkennen muss, wie einfallsreich in den beiden deutschen Diktaturen ideologisch das Recht verbogen wurde. Die Rechtsquellenlehre des Nationalsozialismus unter die Lupe nehmend, erläutert der Autor ihm, was in der Diktatur unter Recht zu verstehen war. In großer Schärfe die Entwicklungslinien aufzeigend, skrupulös, wie Vec erkennt, die Quellen auswertend, werden Rechtspraxis und Rechtswissenschaft vom Autor umsichtig analysiert. Die von Schröder eingestreuten Beispiele geben Vec einen Eindruck von den praktischen Folgen, bei denen es nicht selten um Leben oder Tod ging, wie er schreibt.
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