Jan Philipp Reemtsma

Über Arno Schmidt

Vermessungen eines poetischen Terrains
Cover: Über Arno Schmidt
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2006
ISBN 9783518417621
Gebunden, 293 Seiten, 22,80 EUR

Klappentext

"Man kann Bücher leider nur einmal zum ersten Mal lesen. Die großen Autoren entschädigen für diese traurige Einmaligkeit dadurch, daß ihre Bücher bei der zweiten und dritten Lektüre sich erst wirklich entfalten."In zwölf Annäherungen aus höchst unterschiedlichen Richtungen erkundet Jan Philipp Reemtsma das Schmidtsche poetische Terrain. Dabei wird deutlich: Arno Schmidts Bücher sind voll Witz und Komik. Reemtsmas Lektüreprotokolle bestätigen die These, wonach die Bedeutung eines Werkes daran gemessen werden kann, wie viele Verständnismöglichkeiten es eröffnet. Zugleich führen diese Essays vor: Diese Bedeutungsvielfalt, das Aufspüren überraschender Perspektiven und verborgener Zusammenhänge setzt einen Leser voraus, der sich genauestens an den Wortlaut der Texte hält und im selben Moment aufgrund seines Wissens eine Unzahl von Assoziationen freisetzt.

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 23.01.2007

Verdienstvoll findet Friedmar Apel diesen Band mit Aufsätzen Jan Philipp Reemtsmas über Arno Schmidt. Er bescheinigt Reemtsma, dem Leser den kaum gelesenen, weil sperrigen Schriftsteller wirklich näher zu bringen. Denn statt sich wie viele Adepten Schmidts in Götzenanbetung zu ergehen, fallen die hier versammelten Aufsätze nach Apels Ansicht nüchtern und verständlich aus. Überaus aufschlussreich scheinen ihm Reemtsmas Ausführungen über Schmidts Fähigkeiten der komischen Darstellung sowie zu seiner spezifisch poetischen Technik, wie sie etwa in "Zettels Traum" kulminiert. Besonders unterstreicht er Schmidts Auseinandersetzung mit dem in der deutschen Literatur angeblich vernachlässigten Thema der Vertreibung der Deutschen. Abschließend lobt Apel "Redlichkeit und Verlässlichkeit" von Reemtsmas Empfehlungen und sein ausgewogenes Urteil, das auch Misslungenes nicht unter den Tisch fallen lässt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 09.05.2006

Respekteinflößend findet Georg Klein die Reflexionen Jan Philipp Reemtsmas über Arno Schmidt. Dabei gefällt Klein besonders, dass Reemtsma Schmidt eben nicht bejubelt, sondern mit "intimer Gestimmtheit" die Größe Schmidts betont, ohne in "falsches Großtönen" abzugleiten. Reemtsma hält Distanz, auch seine Urteile werden nie zu "Verurteilungen", was Klein als sehr angenehm empfindet, ebenso wie die "offene" Methode des Autors, die Reflexionen mit Exkursen, Andeutungen und Nebenbemerkungen zu kombinieren. Dass Reemtsma den Briefwechsel zwischen Schmidt und seinem Verleger nahezu "kommentarlos" dokumentiert, um dann im Aufsatz zu den erotischen Stellen der Schmidtschen Erzählung "Die Abenteuer der Sylvester-Nacht" zu einer "lustvollen Balance" aus Zitat und Reflexion zu kommen, führt der beeindruckte Rezensent als Beispiel für die Könnerschaft Reemtsmas an.
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