Jan Peter Bremer

Still Leben

Kurzroman
Cover: Still Leben
Berlin Verlag, Berlin 2006
ISBN 9783827006400
Gebunden, 88 Seiten, 14,00 EUR

Klappentext

Irgendwo in den Bergen, ein einfaches, einsam gelegenes Haus. Ein Mann entdeckt es und nimmt es mit seiner Familie in Besitz. Mit ihm hat er, so glaubt er, sein Glück gefunden. Das Leben scheint ein selbst ernanntes Idyll. Doch erste Irritationen schleichen sich in die Mitteilungen, die er seinem "lieben Freund" schreibt. Immer seltener verlässt er das Haus, betrachtet die größer werdenden Kinder mit wachsendem Argwohn. Das gepriesene Haus wird zur Bühne aberwitziger Begebenheiten, und eine Geschichte nimmt ihren Lauf bis zu einem einsamen Ende. "Still Leben" ist ein modernes Märchen, Briefe an einen Freund, geschrieben wie Prosagedichte. Aber wer ist der Freund? Ein Alter ego des Schreibers? Oder wird der Leser zum Freund, wenn er - im Verlauf der Lektüre - diese Parabel mit seinem eigenen Leben füllt?

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 07.12.2006

Von der "glasklaren Sprache" in Jan Peter Bremers Roman dürfe man sich auf keinen Fall täuschen lassen, warnt Rezensentin Silvia Hess. Denn auch wenn Bremer seine Bilder "wie mit dem Messer ins Eis geritzt" darstellt, sein "Schreibwille" geht in Richtung seines Vorbildes Kafka. Das sei schon 1996 Urteil der Juroren gewesen, die Bremer den Ingeborg-Bachmann-Preis verliehen, und die Rezensentin kann dem nur zustimmen. Eine Parabel habe Bremer geschrieben, deren Anfang der "reine Zuckerguss" ist. Ein Mann, eine Frau, zwei Kinder und ein malerischer Ort in den Bergen. Das Idyll werde alsbald zum "Zerrbild", zwischen Anfang und Ende der Geschichte schildere der Autor ein Geschehen, das zunehmend "mysteriös fiebrig" verläuft. Von der "Leuchtkraft" der Szenen, die Bremer mit "brillant präzisen Strichen" zeichne, fühlt sich die Kritikerin in ein Theaterstück versetzt: Sie sitzt und staunt und ist ihrer normalen Umgebung für einige Zeit entrückt.

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 16.10.2006

Für Ursula März entpuppt sich dieser kurze Briefroman von Jan Peter Bremer in Wahrheit als fiktives Selbstgespräch über eine sich auflösende Idylle. Ein Mann ist mit Frau und zwei Kindern in die Berge gefahren, wo sich im Verlauf die Widrigkeiten häufen - seien es aus dem Ruder laufende Söhne, der Verdacht der Untreue der eigenen Frau oder schlicht eine hartnäckige, bösartige Wespe - bis sich das Briefe schreibende Ich selbst abhanden zu kommen scheint, beschreibt die Rezensentin. Mal kitschig, mal komisch erweise sich Bremer in dieser gelungen Familienglück-Parodie einmal mehr als Meister der kleinen, spielerischen Form. Manchmal aber, gibt die Rezensentin zu, wirkt die minimalistische Zurückgenommenheit der Texte Bremers auch ein bisschen manieriert.
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Rezensionsnotiz zu Frankfurter Allgemeine Zeitung, 01.06.2006

Epistolarisch wendet sich Sandra Kerschbaumer direkt an die Leser ihrer Rezension, offenbar beeinflusst von der Lektüre des kurzen Briefromans von Jan Peter Bremer. Als Gleichnis angelegt, werde in "geschliffener Prosa" die allmähliche Entfremdung innerhalb einer äußerst zurückgezogen zusammenlebenden Familie beschrieben. Aus der Sicht des Vaters und Ehemannes werden ganz alltägliche Dinge in Briefen festgehalten, wie das Kochen und Verzehren von Kartoffeln, das Vorbeiziehen der Wolken oder die Betrachtung von löchrigen Strümpfen. Dabei überfalle den Erzähler eine fortschreitende Erstarrung, die schließlich in absurden und surrealistischen Korrespondenzen und Zuspitzungen kulminiere. Ungeklärt muss bleiben, wie der Rezensentin die Parabel auf das Scheitern von Bindungen eigentlich gefallen hat.
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Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 01.04.2006

88 Seiten hat dieses Buch gerademal, doch für die Rezensentin scheint es ein aufregendes Leseerlebnis gewesen zu sein. Mit Staunen und Bewunderung beobachtet Silvia Hess, wie es Jan Peter Bremer gelingt, in "brillant präzisen Strichen" eine vierköpfige Familie zu zeichnen, die auf der Stelle tretend geradewegs in die Katastrophe marschiert. Allerdings warnt sie auch, Bremers Sätze wörtlich zu nehmen: "Wer ihnen arglos hinterherläuft, geht in die Irre." Eher entfalten sich die Bilder und die "rasant bodenlose Handlung" wie mit einem "Messer ins Eis geritzt", erklärt sie das Geheimnis dieser Prosa, die ihr an anderer Stelle vorkam wie "Theater vor gleißender Bühne".
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