Jan Ondrus

Ein Hut voll Wein

Edition Thanhäuser, Ottensheim 2000
ISBN 9783900986421
Gebunden, 126 Seiten, 20,45 EUR

Klappentext

Aus dem Slowakischen von Angelika Repka. Illustration von Ludowít Holoska.

Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 16.02.2001

Ulrich M. Schmid begrüßt in einer Doppelrezension von Gedichtbänden slowakischer Autoren ausdrücklich das Erscheinen dieser Bände, nicht zuletzt, weil die slowakische Literatur hierzulande seiner Ansicht nach noch weitgehend unentdeckt ist. Beide Bücher wurden übrigens von Angela Ropka, wie Schmid anmerkt, "präzise" ins Deutsche übersetzt.
1.) Ján Ondrus: "Ein Hut voll Wein" (Edition Thanhäuser)
Schmid erläutert zunächst, dass der Autor im Alter von 29 Jahren einen schwerwiegenden Nervenzusammenbruch erlitten hat, der sogar zur Folge hatte, dass er mit 42 Jahren unter Vormundschaft gestellt wurde. Die Gedichte des Autors sind nach Ansicht des Rezensenten deutlich von dieser "Außenseiterposition" geprägt. Thema ist vor allem Verlust, Entfremdung und Zerfall des Ichs in "mehrere Bewusstseinsinstanzen". Gleichzeitig sieht der Rezensent in Ondrus` Gedichten auch den Ausdruck der "grundlegenden Daseinsmodi des 20. Jahrhundert". Dass Ondrus zweifach für den Literaturnobelpreis nominiert wurde, erscheint dem Rezensenten keineswegs überraschend.
2.) Peter Repka: "Ei-sen-bah-nen" (Edition Thanhäuser)
An eine musikalische Fuge fühlt sich Schmid hier erinnert, zumal der Titel des Bandes in immer wieder neue Zusammenhänge gestellt wird. Schmid erläutert, dass sich die Texte wie in einem "Schienennetz" immer wieder verzweigen und dass Repka den Leser mit auf eine "poetische Reise" nimmt, in der es verschiedenen Stationen gibt. Schmid scheint dies sehr zu gefallen und bewertet den Band als ein "Gesamtkunstwerk, in dem sich Inhalt, Metaphorik und Rhythmus zu einem expressiven Ganzen verbinden".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 08.02.2001

Kontrollierter Wahnsinn in der Tradition der "poètes maudits", getragen von einer "ungeheuren Sprachkraft" - bei solch geballtem Lob kann man es dem Rezensenten Hans-Peter Kunisch nicht abnehmen, dass er den slowakischen Autor Ján Ondrus wegen zweier Auschwitzgedichte ernsthaft "schelten" will. Er deutet die Schelte daher auch nur an, die Ausführung bleibt er leider schuldig. Sicherlich ein weiterer geschickter Schachzug des Rezensenten, der den Leser zur Lektüre von Ondrus` Gedichten verführen soll. Wenn Kunisch auch manchmal "die üblichen surrealistischen Gewaltfantasien" zu abgegriffen erscheinen, entsteht in seiner Rezension das herausragende Bild eines Meister seines Faches, der nach Aussage des Rezensenten "das Stolpern und den Wahnsinn mittels Sprache zur mal schweren, tiefen, aggressiven, mal heiter-leichten Tanzfigur gemacht hat". Welchen Anteil der Übersetzer an dieser poetischen Höchstleistung hat, erfahren wir leider nicht.
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