Aus dem Französischen von Andreas Unterweger. Mit 12 Farbholzschnitten und einer Holzschnittprägung von Christian Thanhäuser. kaspar de pierre, 2017 bei La lettre volée erschienen, ist gemäß seiner Autorin "eine poetische Erzählung, die Kaspar Hauser, dem nach 17 Jahren Gefangenschaft, 1828 vor den Toren Nürnbergs rätselhaft aufgetauchten Findling, eine Stimme verleiht". Der Text arbeitet die historischen Grundlagen auf und wendet sich gegen Auswüchse des Kaspar-Hauser-Mythos - die Autorin sieht darin Merkmale der "spätmodernen Gesellschaft" vorweggenommen: "den Hunger nach Schlagzeilen, die Faszination vor dem Missbrauch und der Ikonisierung des Individuums". Anders als in den meisten bisherigen Darstellungen Kaspar Hausers wird die Hauptfigur weder als kognitiv eingeschränkt noch als ideale Projektion für Poeten dargestellt, sondern als "normales", aber misshandeltes Kind.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 06.08.2022
Als ein "meisterliches Kunstwerk" würdigt Tom Schulz diesen Gedichtband von Laure Gauthier über Kaspar Hauser. Der Kritiker erlebt Hauser dank der französischen Lyrikerin als "hochbegabten und misshandelten" Menschen der Gegenwart, der sich direkt an ihn wendet: Schulz lauscht in dem Text den Fragen der Verletzlichkeit und Emanzipation des Subjektes, die Gauthier "subtil" in einem Mix aus Poesie und Prosa stellt. Die Referenz an Georg Trakls "Kasper-Hauser-Lied" ist für den Rezensenten unverkennbar. Christoph Thanhäusers Farbholzstiche und Andreas Unterwegers Übersetzung machen den Band für Schulz perfekt.
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