Seit einigen Jahren gibt es in der Linken - ob es nun Mitglieder der SPD, der Grünen, der Linken oder parteilose Bewegungslinke sind - immer wieder Debatten darum, was der richtige Weg sei: Die einen kämpfen für Minderheitenrechte und retten das Klima, die anderen kümmern sich vor allem um ökonomische Fragen. Und zwischen beiden Seiten vergrößert sich der Riss. Die einen glauben, dass die anderen die "kleinen Leute" verraten, die anderen fürchten, dass gerade in der Klimakrise die Umweltfragen oder dass in Zeiten von zunehmendem Rassismus und Sexismus die Rechte von Frauenund Menschen mit Migrationshintergrund vernachlässigt werden.In diesen Konflikt greift Jan Korte ein und stellt harte Forderungen auf: Es muss wieder ein Gleichgewicht zwischen den kulturellen und sozial-ökonomischen Ansichten der Linken hergestellt werden. Er fordert Verständnis, gerade auch für die Menschen, die nicht in den urbanen Zentren leben. Er fordert alle, die sich als Linke und Linksliberale betrachten, auf, wieder Verantwortung zu übernehmen - für die ganze Gesellschaft. Denn es gilt: Niemals herab blicken!
Rezensionsnotiz zu
Frankfurter Rundschau, 17.08.2020
Rezensent Stephan Hebel zufolge illustriert Jan Kortes Buch die Suche der Linken nach neuen politischen Konzepten. Der trennende Graben verläuft in Hebels Augen nicht mehr zwischen Realos und Fundis oder zwischen Radikalen und Reformern, sondern zwischen sozialen Bewegungen und Parteien einerseits, zwischen Identitäts- und Klassenpolitik andererseits. Was Korte, einst bei den Grünen und jetzt bei der Linkspartei, zum Thema zu sagen hat, überzeugt den Rezensenten allerdings nicht. Hier sieht er zu viel "Skepsis und Häme" gegenüber identitätspolitischen Themen, zu wenig Belege für die Prenzlauerberghaftigkeit der Antidiskriminierungspolitik und zu viele offene Fragen. Und was meint Korte, wenn er auch die "kleinen Träume" ernstnehmen will? Die Debatte, die Korte führt, hält Hebel allerdings für genau die richtige.
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