Anja Bachl

Mitternachtszustand

Gedichte
Cover: Mitternachtszustand
Haymon Verlag, Innsbruck 2026
ISBN 9783709982020
Gebunden, 104 Seiten, 22,90 EUR

Klappentext

Von der Stille, den Sternen, vom Schmerz her - ein Wiegenlied für das Weitermachen Anja Bachl schreibt ein Leben voller Gleichzeitigkeiten. Es ist ein diffuser Zustand, in dem sich das lyrische Ich wiederfindet: Mitternachtszustand kreist um das Dazwischen, in dem Formen zerfallen und Gewissheiten brüchig werden - nicht Tag, nicht Nacht, aber ein Schweben ohne feste Beheimatung. Mitternachtslyrik hält diese Brüche nicht zurück, vielmehr lässt sie sie zittern, aufflackern, sich verformen. habe mich nie als Gegebenheit wahrgenommen / sondern als dehnbares Material - so wird Uneindeutigkeit nicht Mangel, sondern Echo. So trifft das Bedürfnis nach Trost auf die Notwendigkeit des Weitermachens. Aus diesem Driften, das mehr sein kann als Haltlosigkeit, wächst eine Suchbewegung, die nach Worten tastet, wo Wirklichkeiten zerspringen und sich gegen Zuschreibungen stemmt, die verfehlen.Ein Lyrikband der zeigt, dass Worte nicht alles wandeln, aber tragen. Gedichte, die zeichnen: ein Leben, das sich im Mitternachtszustand verfängt, das ausbricht. Diese Momente sind: existenziell, fluide, queer .In Anja Bachls Lyrik werden Reibungen gesammelt; die Strophen legen Risse frei, durch die wir hindurchsehen - auf uns selbst, auf andere, auf das Unausgesprochene. Wir finden uns in einer Sprache wieder, die bricht, sucht und sich neu zusammensetzt, in der wir uns verlieren dürfen und doch gespiegelt werden: tastend, schwebend, widerspenstig gegen das Abhandenkommen. Ob im Atemholen nach dem Aussetzen des Herzens, dem Zulassen des Glitchs oder dem Umlegen aus unsanften Zähnen - Mitternachtszustand sucht das Trotzdem. mit wehender Mähne bin ich ein Mensch aus Farn / in das Federn geboren / ich habe Tränen für alles, bewässere / die gefiederten Wedel / bewege wacker die Formulare, die Lippen / trinke glimmernd in großen Schlucken / als ich an mir heruntersehe / ein Schweif / f l o g ich etwa

Rezensionsnotiz zu Frankfurter Rundschau, 28.04.2026

Rezensent Björn Hayer gefällt, dass Anja Bachl in ihren zerrütteten, aber musikalischen Versen den "zerrissenen Menschen" zwischen "Ich und Nicht-Ich" in der Spätmoderne abbildet, ihn aber nicht aufgibt. Die Gedichte bilden die Zerrissenheit mittels Bildbrüchen, Auflösung der Grammatik und Fragmentierungen nachvollziehbar ab, findet Hayer. Dass die Autorin es mitunter zu weit treibt mit der sprunghaften Konstruktion der Texte, ändert nichts an Hayers positivem Eindruck. Der rührt auch daher, dass Bachls lyrisches Subjekt sich zu behaupten weiß und am Ende ein "visionärer Ort" Hoffnung vermittelt.

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