Aus dem Englischen von Hans Wollschläger. Herausgegeben und kommentiert von Dirk Vanderbeke, Dirk Schultze u.a.. Der 16. Juni 1904 war ein ganz gewöhnlicher Tag, und dennoch ist er in die Geschichte der Weltliteratur eingegangen. An diesem Tag von acht Uhr früh bis drei Uhr morgens erlebt Leopold Bloom die Großstadt Dublin, und der Leser lernt mit ihm seine Handlungen, Begegnungen und Gedanken kennen.
Rezensionsnotiz zu
Süddeutsche Zeitung, 14.06.2004
Thomas Steinfeld stellt etwas verblüfft fest, dass diese neue Ausgabe des großen Romans "Ulysses" von James Joyce in der von Hans Wollschläger besorgten Übersetzung von 1975 mit einem Kommentar versehen ist, der in seinem Umfang an "moderne Bibeln" erinnert. Während der Schriftblock und der Text Wollschlägers der selbe geblieben ist, ist ein Kommentar- und Anmerkungsapparat hinzugekommen, der von geradezu "niederschmetternder Gründlichkeit" kündet, so der Rezensent entsetzt. Steinfeld ist von der Nützlichkeit eines solchen Kommentars nicht überzeugt. Denn was bringt es, fragt der Rezensent verwundert, wenn der Leser erfährt, dass an der "Loop Line Bridge ein Pissoir" gestanden hat. Solche Information ist für das Verständnis des Romans weder notwendig noch hilfreich und verfestigt nur das Urteil der "Banausen", dass man "Professor sein muss, um "Ulysses" zu lesen", schreibt Steinfeld etwas indigniert. Er versteht den "philologischen Eifer", der sich in dem Kommentar zum Roman Bahn bricht, letztlich als "Widerstand gegen die Moderne" und meint, außer für Philologen bringt der Kommentar für den "ernsthaften Leser" kaum Erkenntnisgewinn.
Rezensionsnotiz zu
Neue Zürcher Zeitung, 12.06.2004
Vor hundert Jahren waren Leopold und Molly Bloom, Stephen Dedalus und Co. in Dublin unterwegs. Der 16. Juni 1904 ist vielleicht der berühmteste Tag der Literaturgeschichte, aber zwischen irischem Alltag und joyceanischer Bildungswut fehlt notorisch viel Hintergrund für die Lektüre. Den liefert nun endlich auch die deutsche Ausgabe bei Suhrkamp, die zur bewährten Übersetzung von Hans Wollschläger nun einen höchst umfangreichen Kommentar gepackt hat. Es ist nicht so, dass der Rezensent Fritz Senn gegen den als solchen etwas sagen möchte. Man werde vielmehr bestens informiert, keine Frage. Dennoch: So ganze ohne "Pedanterie" könne das nicht abgehen und geht es nicht ab. Und im Grunde findet Senn, dass man sich das erst mal alles selbst erarbeiten soll, dass der Kommentar nichts anderes sein kann als eine "schwerfällige Krücke auf dem steinigen Weg durch Joyces Dublin". Wer aber eine Krücke will oder braucht, der kann, darf man wohl resümieren, keine bessere finden.
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