Anne Atik

Wie es war

Erinnerungen an Samuel Beckett
Cover: Wie es war
Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2003
ISBN 9783518413999
Gebunden, 150 Seiten, 24,90 EUR

Klappentext

Aus dem Englischen von Wolfgang Held. Mit neun Porträtzeichnungen von Avigdor Arikha. Einer von Samuel Becketts Malerfreunden ist Avigdor Arikha. "Für Avigdor Arikha", so heißt ein bekannter, kurzer Text Becketts. Arikha heiratete Anne Atik, eine amerikanische Dichterin. Dem Paar wurden zwei Töchter geboren, Beckett war Patenonkel Albas, der älteren. Bis zu seinem Tod ging er bei dieser Familie ein und aus. Immer wieder zeichnete Arikha die charismatische Figur seines Freundes: allein, im Gespräch, beim Schachspiel mit Tochter Noga. Briefe wurden gewechselt. 1959 hatte Anne Atik Beckett kennengelernt. 1970, elf Jahre später, begann sie, sich nach solchen Treffen Notizen zu machen; Gedächtnis und Aufzeichnungen speisen ihren Erinnerungsband.

Rezensionsnotiz zu Die Tageszeitung, 06.12.2003

Das Buch ist das Dokument der jahrzehntelangen Freundschaft der Autorin und ihres Mannes Avigdor Arikha mit Samuel Beckett. Mehr als das ist es nicht und will es nicht sein - dem Rezensenten Volker Frick gefällt das. Beckett wird porträtiert als begnadeter Zuhörer und als "exzessiver Trinker", als Schweigender und eminenter Kenner von Kunst, Literatur, Musik. Man lerne, banal und sympathisch, Beckett kennen als "Mensch". Anne Atik, stellt Frick fest, ist talentiert im knappen Erfassen und Wiedergeben von Situationen. "Tagebuchartig" sind diese Notizen, im Telegrammstil mitunter und nicht mehr als eine Auswahl. Die aber, meint der Rezensent, ist "gelungen".

Rezensionsnotiz zu Die Zeit, 10.07.2003

Reinhard Baumgart hat Samuel Beckett schon zu Lebzeiten als einen entrückten "Heiligen" empfunden, als "allerletzten Säulenheiligen dieses heroischen Unternehmens" namens "Moderne". Ganz im Gegenteil dazu stellen Anne Atiks Erinnerungen für ihn eine "intime Nähe" zu Beckett her - immerhin haben sie und ihr Mann Beckett die letzten drei Jahrzehnte bis zu seinem Tod 1989 in enger Freundschaft begleitet, erzählt Baumgart. Atik lade ein zu einer "Reise tief zurück in die Zeit, in dieses Paris der vergangenen sechziger, siebziger Jahre", schwärmt Baumgart. Dort erhebt beispielsweise Beckett sein Whisky-Glas, um feierlich Verse aus Hölderlins "Titanen" zu deklamieren. In der "unendlichen Reihe von solchen zeremoniellen Verlautbarungen" und Rezitationsübungen hat Baumgart viel Wissenswertes über Becketts eigenes Sprach- und Sprechideal gefunden. Und doch sind Atiks Erinnerungen für Baumgart "etwas anderes, weniger und mehr als ein Kompendium Beckettscher Poetik" - das "Andachtsbüchlein" versammle neben den anekdotischen Details und Atiks Tagebuchaufzeichnungen auch Fotos, Zeichnungen von Atiks Mann Avigdor Arikha, Autografen und Brief- und Zettelsouvenirs. Letztere zeugen in Baumgarts Augen von "Becketts zartem Umgang mit Freunden". Einschränkend fügt der Rezensent hinzu, dass Atiks Erinnerungen natürlich nicht mit James Knowlsons monumentaler Biografie konkurrieren könne. Jedoch sei seine Beckett-Wahrnehmung sanft korrigiert worden: "Dieser Pariser Ire war wohl doch weniger ein Repräsentant der heroischen Moderne als schon damals ein Unzeitgenosse, ein genialer Einzelgänger."

Rezensionsnotiz zu Süddeutsche Zeitung, 14.06.2003

Offenkundig ist Willi Winkler genervt von dem Bild, das die Mit- erst recht die Nachwelt sich von Samuel Beckett machen will, dem Selbstentwurf des Dichters immer hinterher, der sich schweigsam geben wollte, unwillig zur Auskunft und immer ein gutes Stück über dem Boden, den der Rest der Menschheit beim Gehen berühren muss. Leider, das ist sein Vorbehalt, bekommt man in Anne Atiks Erinnerungen, kaum einen anderen Beckett zu Gesicht (das muss nicht sein, findet Winkler, und beruft sich immer wieder auf die "indiskrete" und gern belästerte Biografie von Deirdre Bair). Atiks Mann, der Maler Avigdor Arikha, war ein Freund Becketts, und so kannte sie ihn aus der Nähe. Viel trank er und noch öfter rezitierte er Lyrik. Immerhin erfährt man, dass seine Mitbewohner im Altenheim, von denen keiner ihn und seine Bedeutung kannte, ihn für einen ehemaligen Clown hielten und sein "hübsches Jackett" sehr lobten.
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Rezensionsnotiz zu Neue Zürcher Zeitung, 05.06.2003

Au weia! Sieglinde Geisel überschüttet diesen Band, der Erinnerungen an Samuel Beckett enthält, mit Schimpf und Schande. Nicht weniger als vier Mal fällt in ihrer Rezension das Wort "peinlich"! Die Rezensentin wettert über die Plattheiten, die die Autorin mitteilt, über die "grobe" Anspielung des Titels, der sich an einen Roman Becketts anlehnt, über die Pietätlosigkeit des Verlags, dieses Buch zu veröffentlichen und über das mangelhafte Lektorat, das der Text erfahren hat. Denn vor lauter Bemerkungen in Klammern, Fußnoten und "ausufernden Nebensächlichkeiten" finde sich der Leser trotz der Anspruchslosigkeit des Textes kaum zurecht, so die Rezensentin erbost. Diese Schrecken werden für Geisel nur noch durch die Textinterpretationen Atiks, die sie den Texten Becketts in ihrem Buch gelegentlich angedeihen lässt, überboten. "Einziger Trost", so die Rezensentin nicht wirklich versöhnt, sind die im Buch abgedruckten Porträtskizzen von Arikha und die Autographen Becketts, doch insgesamt kann das das derart gescholtene Buch für Geisel nicht mehr aufwerten.